Texte aus dem Jahr 2016
 
Siehe auch die eigens dazu eingerichtete Website hier

Was ist Notationszeichnung?
von Hannes Kater, Version 1.01 (2016)
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Die Notationszeichnung ist eine Spielart des experimentellen Zeichnens, die nicht in erster Linie den körperlichen und emotionalen Potentialen des Zeichnens nachgeht, sondern den kognitiven Möglichkeiten: es gilt, mit dem Stift die Welt nicht nur nachzuvollziehen, strukturierend zu interpretieren und weiter zu zeichnen – sondern auch Lösungen zu finden, wie die all diese Inhalte dekodierbar und ansehnlich so aufgezeichnet werden können, dass das Ergebnis noch als Bild wahrgenommen wird – und nicht als eine Aneinanderreihung von Zeichen.

Dabei können tradierte künstlerische Möglichkeiten wie Bedeutungsgröße und -farbe, aber auch Lösungen aus der Info-Grafik, dem Comic und selbstverständlich der Schriftgeschichte, zum Einsatz kommen. Keine Notation ist selbstverständlich lesbar. Um eine Notation zu verstehen, muss man ihre Regeln kennen, sie also erlernen.

Diese – mehr oder weniger genauen – Regeln ermöglichen die Deutung, legen Bedeutungen fest.
   Das etwas nach in sich stimmigen Regeln organisiert ist, bemerkt – und würdigt – man als Betrachter, auch wenn man die Regeln nicht, oder kaum, kennt. Keine Notation kann etwas vollständig aufzeichnen- Es gibt immer Übertragungsverluste. In glücklichen Fällen kann aber auch etwas dazu kommen.

Die Zeichenkette (Konfiguration), bzw. der Gedanke dahinter erklärt die einzelnen Notationszeichen – und nicht, wie gemeinhin angenommen, die einzelnen Zeichen die Zeichenkette, bzw. den Gedanken.
**  Die Bedeutung eines Notationszeichens ist sein Gebrauch im Notationssystem (Wittgenstein)
   Die Bedeutung eines Zeichens ergibt sich aus der Stelle, die es innerhalb einer Zeichenkonfiguration einnimmt, die Bedeutung wird (auch) durch die Platzierung bestimm: Stellenwertsemantik.**

*  Operationsraum: Bereich adäquaten Handelns (mit Unterscheidungen, Verhaltensweisen, Gedanken und Reflexionen)
Notationszeichen, bzw. Zeichenzusammenhänge, werden im Operationsraum* der Zeichnung sozusagen zu "sich verhaltenden" Objekten, die untereinander agieren können. Zeichnen wird so ein Instrument nicht nur zur Abbildung, sondern auch zur Herstellung von Sachverhalten.

**  - interne Korrektheit: Konsistenz
Konstruktion und externe Interpretation einer Zeichenkonfiguration (einer Notationszeichnung) sind nicht (immer) deckungsgleich. Obwohl eine Zeichenkonfiguration unterschiedlich interpretiert – und auch eine zu treffende Aussage mit unterschiedlichen Zeichenkonfigurationen dargestellt werden kann, ist doch die interne Korrektheit** der Ableitungen und Folgerungen nicht in Frage gestellt.

Heuristik – analytisches Vorgehen, bei dem mit begrenzten Wissen über ein System mit Hilfe von mutmaßlichen Schlussfolgerungen Aussagen über das System getroffen werden.ein)
Die intensive Nutzung der Möglichkeiten des Speicherns, Wiederholens und Revidierens macht diese Form des Zeichnens zu einem heuristischen Entdeckungsverfahren*, die Notationszeichen werden zu Operatoren im Suchraum und zum Medium der Suche.

Epistemisches Zeichnen

Epistemisches Zeichnen ist eine zeichnerische Form der Generierung und der Weiterverarbeitung eigenen Wissens: vom Denken als kognitivem Verarbeiten her betrachtet, ist das Zeichnen zu einem Medium geworden, in dem sich das Denken vollzieht; vom Zeichnen her betrachtet, ist dieses nicht mehr nur ein Instrument, schon Gedachtes und oder auch abrufbares Wissen einzusetzen, sondern auch ein Instrument des Präzisierens, des Erweiterns, ja des Weiterentwickelns von Modellen, bzw. Wissen.

Was epistemisches Zeichnen bedeutet, ist an den Arbeiten von Kater gut zu untersuchen. Kater hat einige Funktionen des Zeichnes sehr bewußt genutzt, die in den gängigen Aufzählungen der Möglichkeiten der Zeichnung meist nicht genug gewürdigt werden.

Etwa das selbstregulative Potential des operativen Zeichnens bei der Planung und Durchführung des eigenen Verhaltens – so wird ein neuer Operationsraum möglich, es entstehen Systeme, bzw- Systemabläufe, von bisher [individuell] nicht möglichen Handlungsweisen.

So zu Zeichnen bedeutet Einfälle fördern und Aufmerksamkeit staffeln. Man kann so auch "Wissen schaffend" zeichnen, also epistemisch-heuristisch, nicht Wissen nur wiedergebend.

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