Projekt Nr. 20
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Der Zeichnungsgenerator – Gespräch: Diana Dietz / Hannes Kater
Teil 6
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Material:
- Ausstellungskonzept
- Rundgang durch die Ausstellung
- Die Räume von Hannes Kater
Gespräche zur Ausstellung:
Bjørn Melhus (2. Künstler)
Diana Dietz (Assistenz)
Silke Boerma (Kuratorin)
Armin Chozinski (Helfer)
Gabriele Mackert (Autorin)
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Mc Guffin D: Ja, das hört sich schon anders an! Weil, wenn du sagst, es geht nicht um Zeichnungen, das finde ich jetzt nicht.
H: Naja, es ist ein bißchen so wie? Ich habe vergessen wie das heißt... Es gibt so einen Begriff, shit, ich komme jetzt nicht drauf, Hitchkock benutzt den, wenn er einen Krimi beschreibt? [Mc Guffin]
D: Dass er nicht zeigt, was passiert?
H: Nee, also Hitchkock hat mal irgendwie was formuliert: ein guter Krimi zeichnet sich dadurch aus, dass es ein Ziel gibt, oder einen Ablauf, der zwar vorhanden ist, den man aber nicht genau erklären muss. Und schlechte Krimis, da würde... da gibt es eine Atombombe oder sonstwas, und es gibt einen verrückten Wissenschaftler und irgendwelche Formeln und dann wird das auch noch alles vorgeführt und erklärt. Und Hitchkock meinte eigentlich, es muss nur eine Art Thema geben, und das wird da aber gar nicht weiter ausgeführt und das motiviert alles, alle balgen sich um was, aber es ist reine Zeitverschwendung, genauer zu erklären, um was. Das schwächt eigentlich nur die Erzählung.
Übertragen auf die Ausstellung könnte man sagen: Zeichnungen und Zeichnen motivieren alles, aber zu sehen bekommt man eigentlich keine? Jeder denkt sich seine Zeichnung!
Und dann funktioniert das auch wieder wie mit den Zeichenaufträgen, weil, da denkt man sich ja auch seine Zeichnung. Aber die eigentliche Konfrontation mit Zeichnung, die war? Also im großen Raum war sie sehr wenig, man sah schon, da ist irgendwie was mit Zeichnung, aber es gab nicht wirklich diesen over-kill. Eigentlich ist das gebaut wie ein guter Werbefilm: die schicke Frau wird nur ganz kurz gezeigt, und dann hat man die Sehnsucht, ich will sie jetzt mal wirklich, in Ruhe, sehen, aber man kriegt sie nicht mehr zu sehen.
Und deswegen ist die Zeichnung nicht wirklich Thema gewesen. Mehr die Abwesenheit von Zeichnung, oder die Sehnsucht nach Zeichnung, oder so.
D: Ja, aber mit dieser pauschale Aussage, "es geht nicht um Zeichnung", damit habe ich Probleme, weil ich denke, in deinem Verständnis von Zeichnen ist das ja mit drin!
H: Okay, ja.
D: Es geht dabei um den Anlass, es geht um alles mögliche, aber es geht ja nicht um die Zeichnung, wie sie dann fertig da ist als...
H: Ja, aber es ist trotzdem ein bißchen absurd, oder?
Was mich interessiert, diese Frage: wo ist das Bild? Und das kann ich ein bißchen erklären. Also bei dieser Jurysitzung für NY, da gab es... kennst du Rainer... der so Pflanzen knetet? Also Rainer, der hatte da zwei aus Knete modulierte Pflanzen in Glasvitrinen aufgebaut. Diese Pflanzen sind realistisch modelliert, so gut er es eben hinbekommt und haben in den Blüten Elemente, die an Mösen und Schwänze erinnern... sehr realistisch. Und eben der dominante Mensch in der Jury, der auch von außen kam und eingeladen war extra dafür, damit eine Außensicht da war, und deswegen hat man ihn auch so dominant sein lassen, der kuckte sich das an und meinte: das sind konservative, altbackene, schlechte Skulpturen, die keiner mehr sehen will. In der Jury gab es auch eine andere Position: ja, das wissen wir, aber der Rainer, bei dem geht es um Genmanipulation und zukünftige Lebensformen und so, holen wir den mal rein zum Gespräch und interviewen wir den mal. Rainer kam dann rein und man meinte: schönen guten Tag, ja, Herr Sowieso, worum geht es denn in ihrer Arbeit? Und Rainer dann: ja, also es geht nicht um Skulptur, weil ich mache ja eigentlich alte, konservative, schlechte, blöde, überflüssige Skulptur, sondern es geht um was anderes.
   Und nun ist aber die Frage: wo ist das Bild, was ist das Bild? Also weißt du, was ich meine?
D: Ja.
H: Und jetzt, nach diesem nicht besonders schlagenden Beispiel, wenn man das jetzt weiterdenkt, dann: wo ist bei mir das Bild? Bei den Zeichnungen? Und für mich ist halt das Bild eigentlich diese Ausstellung, nicht eine Zeichnung. Also dieses Umtänzeln, oder dieser Parcours. Aber es geht schon eben um die eigentlich leere Mitte.
D: Aber ich finde, das sieht man auf Deinen Zeichnungen schon auch. Und wenn jetzt das Bild die Ausstellung ist, dann sieht man es dort, das ist doch analog.
H: Wie, das sieht man auf den Zeichnungen auch?
D: Das finde ich schon.
H: Dann wäre ich ja extrem getröstet! (lacht)


Zeichnen...
D: Also – vielleicht, das kann ich jetzt wieder nicht so ganz sagen, vielleicht braucht es schon diesen ganzen Kontext, den man dann mit durchlaufen kann, oder mit erfassen kann, oder erspüren kann. Dann sehe ich das erst mal auch in den Zeichnungen.
Allein, wenn ich jetzt ganz naiv ankomme und jetzt bei dir assistieren soll und ich tauche ein in so eine Situation, und sehe umgekehrt wieder das Ganze, oder ich sitze dann da bei dir auf dem Bett und sehe Zeichnungen zum ersten Mal, alte und neue, dann habe ich nie das Gefühl, dass ich da irgendwas überbrücken muss, allein so was. Weißt du, was ich damit meine?
H: Nee, ich weiß nicht. (lacht) Du hast nicht das Gefühl, dass du etwas überbrücken musst?
D: Ja. Ich weiß nicht, wie ich das sagen soll, aber das allein finde ich schon sehr wichtig. Ich muss nichts rationalisieren, um da was zusammenzubringen, oder das zuzuordnen, sondern dass es allein schon homogen ist von einer emotionalen Ausrichtung. Da gibt es schon eine Entsprechung.
H: Ich meine, ist eine Entsprechung jetzt, dass du etwas verstehst, oder dass dir was nah ist, oder dass in diesen Zeichnungen irgendwas ist, oder gerade nicht ist? Also das verstehe ich jetzt gerade nicht.
D: Ja gut, das kann man sich jetzt wieder fragen. Aber ich behaupte das jetzt mal. Ich meine, es mag ja nur so sein, weil mir das dann nahe ist. Das kann ich jetzt nicht sagen, woher das kommt, das kann ich ja nur von meinem Blick aus sagen.
H: Also da wird es für mich gerade sehr unscharf. Ich weiß gerade nicht, wo das hingeht.
D: Also, nochmal irgendwo ganz unten angefangen. Was kann ich denn sagen…
Wenn du z.B. von so einem Umtänzeln redest, das sehe ich in deinen Zeichnungen auch.
H: Ahja, okay.
Aber ich meine, der Punkt ist, dass die Ausstellung sozusagen das Zeichnen umtänzelt. Aber die Zeichnung, umtänzelt die das Zeichnen auch?
D: Ich würde sagen, Ja. Zumal diese Fülle an Zeichnungen.
H: (lacht) Das blendet das Zeichnen wieder aus!
D: Nein! Die blendet das nicht aus, aber die umtänzelt das Zeichnen.
H: Ach so, okay.
D: Es geht ja immer um mehrere, wenn nicht gar viele Zeichnungen. Es geht ja nie um eine Zeichnung, oder um die Zeichnung.
H: Nee, wie wäre das überhaupt machbar, wie geht das? (lacht)
D: Ja, aber ich meine, das sieht man ja auch, das finde ich auch so schön bei den Zeichenaufträgen, auch da ist wieder so ein Fehlen impliziert, was ich spannend finde, weil ich sehe es immer so, dass da eigentlich immer ganz viel zusammenkommt, entweder du machst mehrere Ausführungen, mehrere Ansätze teilweise, oder wenn die dann erst mal noch gemeinsam einer Grunddisposition folgen und trotzdem sich dann ändern, das gibt es ja auch oft, und ich finde, das ist ja auch die Stärke, wenn es dann, auch in den Flashern, wenn es dann wirklich nur eine Zeichnung gab, dann war der Schwerpunkt immer darauf, nicht auf dieser einen Zeichnung, sondern ich habe dann immer die gesehen, die noch nicht da waren., weil es nur eine war. Der Schwerpunkt lag war auf all die möglichen. Selbst da spiegelt sich das wieder.
Und in dieser Art, wie du zeichnest. Es geht ja um das Potential. Und Potential ist auch was „Volles", also nicht eine negative Leere, sondern…
H: Nee, die Leere meine ich auch nicht negativ…
D: Nee, was aber auch nicht da sein kann. Was möglich ist, was ja auch angedeutet wird. Das spiegelt sich schon überall wieder. Ich finde, auch im kleinen Raum. Das war ja das, dass die irgendwo hängen, dass man die gar nicht sehen muss, dass es um so eine Vielheit geht und da auch um diese ganzen Leerstellen. Und letztendlich nimmt sich das für mich nämlich gar nichts, ob da eine Zeichnung draufliegt oder nicht!
H: Ja, nee, das schon, aber was ist mit der einzelnen Zeichnung? Also jetzt nicht in dieser Ausstellung, sondern…
D: Tja, ja.
H: ...das Zeichnen als Zeichnen sozusagen. Und das ist ein Problem! (lacht) Für mich.
D: Jaja. Ja eben, wem stellt sich dieses Problem? Warum ist das eigentlich für dich ein Problem?
H: Ja mir. Ich meine, was mache ich? Ich sitze zu Hause im Bett und ich zeichne. Und dann mache ich eine Ausstellung und da ist die Zeichnung nicht mehr. (lacht) Ich weiß nicht, also meine Art, zu zeichnen ist ja auch irgendwie... es geht eigentlich nicht ums Zeichnen, seltsamerweise. Moment: es geht natürlich extrem ums Zeichnen, aber es geht halt auch um etwas anderes. Es geht ums Machen, es geht um Vorsichhinfabulieren, es geht um so tautologische Wiederholungen.
D: Ja, das meine ich, weil du gesagt hast, der Tanker, dieser große Raum, das ist doch der Motor. Ob der jetzt...
H: Ja, aber ich meine, das Problem ist doch, dass das Produkt Zeichnung ist. Wenn ich zu Hause bin. Also es geht ein Stück weit darum, was bin ich als Künstler und was verkaufe ich. Also was ist real da und wie gehe ich mit diesen Produkten um, die dabei entstehen, wie werden die wahrgenommen. Und letztendlich ist dann halt immer dieses Wahrnehmungsproblem: ich muss irgendwas verkaufen, irgendwann mal, sonst verhungere ich, oder ich muss meine Arbeit aufgeben. Und dann werden die Zeichnungen natürlich als Zeichnungen wahrgenommen, in der Regel.
D: So wie jetzt z.B. da im Foyer die.
H: Jaja, genau.
D: Das gab es ja auch noch.
H: Jaja, das gab es halt auch noch.
D: Das fand ich eben so schön, dass es das alles...
H: ... dass es das auch noch gab, jaja. Die waren da aber auch gut, weil die so bescheuert gerahmt waren! (lacht)


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