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01. Januar 2015
Tumblr: drawing-log
Fotografiert am 30.12. in Berlin Lichterfelde

31.12.2014*
Pfeil im ersten Schnee des Jahres*

Pfeil mit Schnee 2014
Pfeil mit Schnee 2014
Hinweis auf Feuerwerks-Verkauf, Berlin
Das zu Ende gehende Jahr habe ich jetzt nicht als besonders kalt und verregnet wahrgenommen, aber dass es ein Wärme-Rekordjahr war, habe ich nicht gemerkt.

So war es
in Berlin nicht nur wärmer als in all den 130 Jahren zuvor, als man mit den Temperaturaufzeichnungen begann, Berlin war auch das wärmste Bundesland und das mit dem wenigsten Regen dieses Jahr: ganze 470 Liter fielen pro Quadratmeter, Deutschlandweit waren es durchschnittlich 729 Liter pro Quadratmeter.




Denn ersten Eintrag
zum Thema gab es am
19.11.2003 zu diesem
Pfeil-Bäumchen:
Weitere Einträge:
24.12.2003 – LP 106
24.12.2004 – LP 303
23.12.2005 – LP 585
24.12.2005 – LP 586
22.12.2007 – LP 987
24.12.2007 – LP 988
23.12.2014
Lieblingspfeile

Lieblingspfeile 1352
Lieblingspfeile 1352
Fenster einer Kita in der Stargarder Straße, Berlin
Lieblingspfeile Nr. 1352
Pfeil-Baum-Unschärfe II

Um Weihnachten rum versuche ich immer Beispiele für
eine Pfeil-Tannenbaum-Unschärfe zu finden und hier im Blog zu präsentieren.

Eine Pfeil-Irgendwas-Unschärfe entsteht immer dann, wenn man nicht sicher entscheiden kann, ob man nun einen Pfeil oder irgendwas anderes vor sich hat – was vor allen Dingen dann interessant wird, wenn der Kontext nicht mit als Deutungshilfe herangezogen wird, werden soll.

Der tradierte
* Text:
"Ist ein Weihnachtsbaum nicht eigentlich ein nadelnder Pfeil, der die ideelle Fähigkeit, bzw. die Sehnsucht, des Menschen, Irdisches und Überirdisches, also den Abstand zwischen hier und Himmel, beliebig zu durchmessen, symbolisiert?"
(Ein etwas abgewandeltes Klee Zitat)









Lieblingspfeile 1353
"'christmas brush' gift box" im Schaufenster
Lieblingspfeile 1353
Detail der Verpackung mit gestanzten Pfeil-Baum
Lieblingspfeile Nr. 1353
Pfeil-Baum-Unschärfe I

Der
Weihnachtsbaum als Leerstelle in einer Umverpackung von einem Irgendwas zwischen Museumsshop und Pfeifenreiniger in groß, mit einem Hauch Klobürste: 'christmas brush', eine "gift box 3 pieces" von thatchers* für schlappe € 22.


Kastanienallee 21, Berlin.

* It's a holiday in Cambodia
It's tough, kid, but its life
It's a holiday in Cambodia
Don't forget to pack a wife

You're a star-belly sneech
You suck like a leach
You want everyone to act like you
Kiss ass while you bitch
So you can get rich
But your boss gets richer off you
The Dead Kennedys, 1980
18.12.2014
Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1351 - Screenshot
Screenshot: Baseball Kappe mit etlichen Pfeilen
Lieblingspfeile Nr. 1351
Pfeile auf Tarnkappe

Gestern wurde in 3sat Kulturzeit über so eine Art Whistleblower, der sich Fatalist nennt, berichtet.

Der Beitrag begann mit dräuender Musik, dann sagt eine dieser männlichen Off-Stimmen: "Wie er wirklich heißt, will er nicht sagen. Fatalist nennt sich der Blogger, auf seiner Baseball Kappe steht »In Cambodia we trust« – dort wohne er auch
, so sagt er.* [...]"

Tausende Seiten, zum Teil auch geheimer, Ermittlungsakten zum
NSU Fall sind mit seiner Hilfe – und der eines sogenannten Arbeitskreises NSU – ins Netz gestellt worden und befeuern nun etliche Theorien zum Geschehen rund um die NSU..


Zu dem Pfeil-Motiv wie zum Claim "In Cambodia We Trust" der Kappe habe ich im Netz so rein gar nichts gefunden...



Im September 2014 waren noch sechs bis acht Prozent der gesetzlich Versicherten nicht mit einer elektronischen Gesundheitskarte ausgestattet und es gab – auch deshalb – einen letzten Aufschub bis zum Jahresende 2014.
**  Das ist doch putzig:
mit der Entsolidarisierung (nix mehr Volk und Masse) wird das Leben immer unindividueller.
Und das ist hier kein kulturpessimistisches und technikfeindliches Gequatsche, sondern ganz konkret herleitbar: wenn auf lange Sicht die Tarife für die Kunden teurer werden, die nicht an solchen Programmen teilnehmen, werden gerade Schlechtverdiener genötigt, eine bestimmte Lebensweise zu übernehmen, weil sie nur so an die bezahlbaren Tarife kommen.
15.12.2014
Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1350
Lieblingspfeil Nr. 1350
Die Pfeilspitzen und die Pfeilbahnen sind nicht spontan immer wieder neu gezeichnet,
sondern geklont:
Die Pfeilspitzen 1, 2 und 3 stammen aus der gleichen Quelle, Spitze 2 wurde noch gespiegelt.
Die Pfeilbahnen 1, 2, 3 und 5 stammen aus der gleichen Quelle und wurden gespiegelt und gedreht...
Lieblingspfeile Nr. 1350
Pfeile als Indikatoren

Als ich noch an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin Theatermalerazubi war, wurde ich eines Tages in die Verwaltung bestellt. Als ich dort arglos vorsprach, teilte man mir mit, dass ich rausflöge, wenn ich nicht endlich darauf verzichten würde, mir meinen Lohn wöchentlich in bar auszahlen zu lassen (in einer Lohntüte!).
So musste ich damals ein Girokonto einrichten.


Neulich bekam ich Post: ich wäre nicht mehr krankenversichert, wenn ich nicht endlich ein Foto einreichen täte und mich mit sämtlichen Bedingungen der neuen Versichertenkarte einverstanden erklärte.
*

So unfreundlich genötigt habe ich die nötigen Formalitäten erledigt und bekam jetzt wieder Post. Links ein Ausschnitt aus einem mitgeschickten Infoblatt, das mich über alle Neuerungen ins Bild setzen soll.

"Gesundheit weiter gedacht" steht erbärmlicher Weise auf der "Gesundheitskarte". Man stelle sich zum Beispiel vor, es stünde "Staatsbürgerschaft weiter gedacht" auf den neuen Personalausweisen...


Verräterisch für mich als Pfeilspezialisten ist der Umgang mit Pfeilen:
an ihren Pfeilen sollt ihr sie erkennen!
Es sollen individuelle, spontane, menschlich wirkende Pfeile sein. Aber: die Pfeile sind
aus wenig Quellmaterial geklont. Es handelt sich um kalkulierte und synthetische Pfeile, die von einem Menschen so perfekt unperfekt immer wieder gleich nie hätten so gezeichnet werden können. Also sind diese Pfeile in höchstwahrscheinlich so unmenschlich und technisch wie die Sache, für die sie werben.


Dazu passt auch die Meldung, dass der Versicherer Generali ein nachweislich, weil elektronisch überwachtes, gesundes Leben durch günstigere Versicherungsprämien, bzw. Bonussysteme, belohnen will.
Um was anderes kann es hier langfristig gehen als um
Entsolidarisierung – und das Auswerten der Daten, also um Datenmissbrauch.**

 
10.12.2014
Kaputte Zeichen-Welt

kaputte Zeichenwelt – Foto: Hannes Kater
Semikola, Kommata und Punkte: defekte Ecke eines Pfeilers im U-Bahnhof Westhafen in Berlin
Der französische Anthropologe Philippe Descola folgt einem „relativen Universalismus“, der an die Stelle von „absoluter Natur und kontingenten Kulturen“ fließende Übergänge setzt: Kontinuitäten und Diskontinuitäten, Analogien und Gegensätze, an denen eine scheinbar unausweichliche Frage schlicht abgleitet: „Wie können Sie die Allgemeingültigkeit der Unterscheidung von Natur und Kultur bestreiten und gleichzeitig beanspruchen, Invarianten in den Modi der Beziehung auf Menschen und Nichtmenschen ans Licht zu bringen?“




Google findet keine Ergebnisse für "pfeilförmige Plätzchen" und "Pfeile als Plätzchen" – aber für "Pfeil-Plätzchen", wo einem aber nur Herzen mit Pfeilen angezeigt werden, die für den Valentinstag gedacht sind...
06.12.2014
Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1349
Lieblingspfeil Nr. 1349
Selbstgebackene Pfeilkekse – und ihr richtiger Verzehr
Lieblingspfeile Nr. 1349
Pfeilförmige Kekse

Heute waren zwei Kinder-Gruppen aus der Schule vom Kind bei uns, um
Plätzchen zu machen und – und dies war der eigentliche Anlass zu uns zu kommen – auch zu backen: in der Schule haben sie keinen Backofen.

Da ich auch betreuend helfen musste, nutzte ich die Gelegenheit, einige pfeilförmige Plätzchen
* produzieren zu lassen.

Richtig begeistert waren die Kinder nicht, aber wirklich dagegen hatten sie auch nichts. Und die optische Nähe des Pfeils zum Weihnachtsbaum –
ist doch ein Pfeil einem stilisierten Weihnachtsbaum strukturell erstaumlich ähnlich – , verbunden mit der schön einfachen Form, die so leicht gelingt, half auch, die Kinder zu überzeugen.


Auf der unteren Abbildung wird anschaulich dargestellt, wie man Pfeil-Kekse verzehren sollte: natürlich auf und in den Mund zeigend.




05.12.2014
Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1348
Lieblingspfeil Nr. 1348
Eingang vom "Van Hoa", einem Vietnamesischem Restaurant in der Stargarder Straße, Berlin
Lieblingspfeile Nr. 1348
Gefaltete Pfeile

Es wird kälter – und in einigen Lokalen tauchen wieder die Windfang-Vorhänge auf.
Bei den zweiteiligen Modellen, bei denen man irgendwie durch
die Mitte schlüpft, empfiehlt es sich, eben diese Mitte zu markieren. Meist sind da die Kanten farbig eingefasst – hier aber zeigen zwei Pfeile die Mitte an und kämpfen darum, trotz des Faltenwurfs noch als solche erkannt zu werden.




 
26.11.2014
Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1347
Lieblingspfeil Nr. 1347
Weinbergsweg, Berlin
Lieblingspfeile Nr. 1347
Scheinbar verwobene Pfeilspitze

Der an der Spitze beschädigte Sticker wirkt durch die Beschädigung ein bisschen so, als sei er mit seinem Wirt, dem Verkehrsschild, verwoben.

Noch ein kleiner Hinweis:
aus dem bezirksanzeigenden gelben "Mitte" auf grünem Grund wurde mit einem – inzwischen beschädigten – schwarzen "T" "Titte".



MC Fitti (* 10. Januar 1976 in Gifhorn; eigentlich Dirk Witek) ist ein deutscher Rapper. Mehr auf Wikipedia.
(Um Missverständnisse zu vermeiden: weder kenne, noch empfehle, ich seine Musik... )
21.11.2014
Lieblingspfeile

Lieblingspfeile 1346
Lieblingspfeile 1346
Roelckestraße, Berlin Weißensee
Lieblingspfeile Nr. 1346
Verpfeilte Buchstaben

Aktuelle Werbung für den Jugendsender Fritz, die so wirkt, als hätte MC Fitti
* den Namen des Senders höchstselbst mit einem verpfeilten "T" und einem verpfeiltem "Z" geschrieben.





 
20.11.2014
Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1345, Foto Bettina Brach
Laminiertes Hinweisschild in Karlsruhe. Foto Bettina Brach, Bildbearbeitung von mir
Lieblingspfeile Nr. 1345
Ungewöhnlich gestalteter Pfeil

Zitat aus der Email, mit der mir Bettina Brach das Foto zugeschickt hat: "Zum Reiseabschluss noch
ein recht schauriger Pfeil, wie ich finde. Noch dazu in Verbindung mit Design."

Auf eine sehr eigene Weise ist an diesem Pfeil alles so gestaltet, als sei es das Ziel, die Zeigewirkung des Zeichens Pfeil so gut es geht zu minimieren:
die Pfeilbahn und auch die Pfeilspitze verlaufen in einer leichten Wellenform, die Stärke von Pfeilbahn und Pfeilspitze schwankt dergestalt, dass man vermuten könnte, Pfeilbahn und Pfeilspitze seinen verknickt, und die tropfenähnliche Form, die zum einen an der Pfeilbahn hängt und die zum anderen die Pfeilspitze zu bilden scheint, bremsen den Pfeil noch einmal extra aus.

Von einem richtigen Pfeil ließe er sich nicht nur gerne den Weg zeigen, er fädle ihn auch ein in das Weltsein. Aber der hier ließe ihn zweifeln...
(vgl. den Handke Eintrag von gestern.)



Peter Handke: Gestern unterwegs. Aufzeichnungen November 1987 bis Juli 1990.
Verlag Jung und Jung, Salzburg und Wien 2005
19.11.2014
Lebensunterbrechungen

90 Prozent erwarten
Ausschnitt aus der FAZ, die kürzlich über eine Zeitgeist Studie namens "Automotive", die im Auftrag der Fordwerke erstellt wurde, berichtete
90 Prozent der 18- bis 34-Jährigen erwarten, dass ihr Auto „eine Fortsetzung ihres Lebens ist, nicht eine Unterbrechung“.

Ein „einziges richtiges Wort fädelte ihn ein in das Weltsein“ schrieb Peter Handke in seinen Buch Gestern unterwegs 2005.

Kann dann ein einzelner Satz einen auch ausfädeln? Und wäre dann nicht die Sprache der Werber und Zukunftsforscher geeignet, Menschen zuverlässig mit der Welt zu entzweien?


Hinweis auf den kleinen Circus Astoria und sein Zelt an der Storkower Straße 56 in Berlin.
Im Programm: Seiltänzer, Pferdedressuren, Handstand-Akrobatik, Trapezkünstler und Hundedressuren.
17.11.2014
Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1344
Temporäres Hinweisschild, Greifswalder Straße Ecke Storkower Straße, Berlin
Lieblingspfeile Nr. 1344
Unvollständiger Pfeil in unvollständigem Pfeil

Ein "ZUM CIRCUS"
* in einem annähernd vollständiger Pfeil in einem ziemlich unvollständigen Pfeil – das funktioniert erstaunlich gut.




25 Jahre Preis des Kunstvereins Hannover – Atelierstipendium Villa Minimo. Hrsg: Kunstverein Hannover, 2008. Viele Abbildungen, 25 x 20 cm, Broschur
ISBN: 978-3-934421-15-8
16.11.2014
Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1343
Weißes Quadrat - Entwurf für ein Graffiti
U-Bahn-Sitzbank der Linie U2 in Berlin
Lieblingspfeile Nr. 1343
Verpfeilter Buchstabe

Ein
verpfeiltes "P" (mit halber Pfeilspitze) in einem schwer erkennbaren Tag auf dem Bezug eines U-Bahn-Sitzes, dass ich mit einigen Tricks der digitalen Bildbearbeitung im oberen Foto noch etwas besser lesbar gemacht habe... die Situation im unteren Foto entspricht mehr der Realität – und ist von mir mit einem Entwurf zu einem Graffiti / Tag versehen worden, dass auf dem extra unruhigen Untergrund besser funktionieren dürfte.


Das ist eine
späte Fortsetzung einer Graffiti-Serie, die ursprünglich mal exklusiv für ein inzwischen nicht mehr existierendes Internet-Kunst-Projekt von Willem Sanders entstanden ist und da dort auf so wenig Gegenliebe stieß, dass ich sie dann am 12.08.2004 auf meiner Internetseite unter dem Titel
"
Weißes Quadrat. Entwurf für ein
Graffiti für eine Sitzbank der Berliner
S-Bahn
, 2004" veröffentlicht habe.


Artist Statement dazu:
Bevor schöne Sitzbezüge in der S-Bahn verwendet werden, die dann beschmiert werden, nimmt man gleich solche, deren Muster so aussehen, als seien sie aus Graffiti-Fragmenten zusammengesetzt. Damit keiner mehr Lust hat sie zu beschmieren, bzw. wenn es doch dazu kommt, ein Tag mehr nicht weiter auffällt. Dass diese Sitze nun aberwitzig hässlich sind, sein müssen, wird in Kauf genommen. Ein darauf reagierendes Graffiti muss mit der Formensprache der klassischen Moderne arbeiten.


Auch auf einem weiteren Veröffentlichungsversuch lag kein Segen: 2008 wurde ein Foto der Serie in einem Gruppenkatalog
* mit folgender falscher Bildlegende veröffentlicht: "Ohne Titel, 2007, Laserchrome-Belichtung, Diasec, 75 x 54 cm". [Mehr dazu]

Und ein weiter Graffiti-Entwurf hier.


IMDb: Internet Movie Database, größte Internet-Filmdatenbank, seit 1998 im Besitz von Amazon, die die Datenbank seither auch als Werbeplattform für den Verkauf von DVDs nutzen.
14.11.2014
Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1342
Detail eines Covers der DVD "First Dog", einem Film von Bryan Michael Stoller aus dem Jahr 2010
Lieblingspfeile Nr. 1342
Verpfeilte Buchstaben

Die in unterschiedliche Richtungen
verpfeilten Buchstaben "I", "T" und "G" im Titel des Films sollen wohl die wilde Reise eines Heimkindes und eines vergessenen Hundes kreuz und quer durch die USA zurück zum Herrchen des Hundes, dem US-Amerikanischen Präsidenten, grafisch andeuten ...

So ideologisch verbrämt, wie hölzern, führt dieser Mainstreamfilm Ideologie entlarvend nachvollziehbar vor und könnte aus diesem Blickwinkel durchaus sehenswert sein – nur hält man die saumäßige Synchronisation keine 5 Minuten aus.

Zur Story des Films gibt IMDb
* 8 plot keywords: dog, boy, president, u.s. president, fugue, animal in title, american president, number in title.
   "Is this relevant?" steht hinter jedem dieser Vorschläge, soweit ich das sehe, hat das noch niemand kommentiert.



... die nichtdruckenden umschlossenen Innenflächen eines Buchstabens (wie beim "A" oder "D") werden als geschlossene Punzen bezeichnet.
   Bei unserem Beispiel handelt es sich jetzt also, dank des durchbrochenen Querstrichs, um eine
offene Punze, wie man sie auch bei einem "U" oder "G" findet.
12.11.2014
Lieblingspfeile

Lieblingspfeile 1341
Lieblingspfeile 1341
Beschriftung, Bremer Innenstadt
Lieblingspfeile Nr. 1341
Verpfeilter Buchstabe

Ein "A", dessen
Binnenraum* wegen des durchbrochenen Querstrichs jetzt wie ein nach oben zeigender Pfeil aussieht, bei dem der An- und Abstrich des A's die Spitze des Pfeiles begrenzen: ob das Optimismus verbreiten soll?

Hier wurde also ein Buchstabe nicht durch das Hinzufügen eines Pfeils, bzw. von Pfeilfragmenten, sondern durch das Weglassen eines Teils des Buchstabens verpfeilt, was eine durchaus
elegante Lösung ist.



 
06.11.2014
Lieblingspfeile

Lieblingspfeil Nr. 1340
Detail eines Schildes im S-Bahnhof Gesundbrunnen, Berlin
Lieblingspfeile Nr. 1340
Leitsystem mit vielen Pfeilen

Als ich während des Bahnstreiks in Berlin mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war, fühlte ich mich an dieses unübersichtliche Schild erinnert, welches ich schon vor einiger Zeit auf der Baustelle S-des Bahnhofs Gesundbrunnen fotografiert hatte...

Die eigentliche Botschaft des Schildes ist die: man kommt vom Vorplatz des Bahnhofs – hier dargestellt durch eine rot schraffierte Fläche (im Bild oben links) – nicht direkt zu den Gleisen 3 und 4 (der Bahnsteig links im Bild). Denn:
die nur violetten Pfeile verweisen zwar auf eigentlich vorhandene Wege und Zugänge, aber nur die roten Pfeile verweisen auf tatsächlich benutzbare Wege.

Blöd nur, dass es
einen violett-roten Pfeil gibt, dessen Pfeilspitze leider ganz ohne rot auskommen muss, der einen etwas undeutlich über die Zugänglichkeit der Gleise 1 und 2 informiert, von wo aus man dann, wenn man den ziemlich langen Bahnsteig ganz bis zum Ende abgelaufen ist, über einen Übergang zu den Gleisen 3 und 4 kommen kann, wobei der Pfeil unten rechts im Bild von dieser Möglichkeit auch noch eher noch ablenkt...



Der Moiré-Effekt* (von frz. moirer „moirieren; marmorieren“) tritt auf, wenn sich bei einer Überlagerung von mindestens zwei regelmäßiger feiner Strukturen, bzw. Rastern, eine zusätzliche, scheinbar gröbere, Struktur – im Aussehen den Mustern aus Interferenzen nicht unähnlich – bemerkbar macht.
**  Vgl. Ernst Mach:
Erkenntnis und Irrtum. Leipzig 1917 (bzw. 1905), darin:
Der physiologische Raum im Gegensatz zum metrischen.
1. Der physiologische Raum, der Raum unserer sinnlichen Anschauung, den wir bei vollem Erwachen unseres Bewußtseins fertig vorfinden [süß formuliert...], ist sehr verschieden von dem metrischen, begrifflichen Raum. Die geometrischen Begriffe werden größtenteils durch absichtliche Erfahrungen erworben.
   Der Raum der Euklidischen Geometrie hat überall, an allen Stellen und nach allen Richtungen dieselbe Beschaffenheit, ist unbegrenzt und unendlich.
   Vergleichen wir hiermit den Raum des Gesichtes, den »Sehraum«, der dem Sehenden vor allem geläufig ist, so finden wir denselben weder überall noch nach allen Richtungen gleich beschaffen, noch unendlich, noch unbegrenzt.
27.10.2014
Figur und Grund I – oder: das Risiko der Idolatrie ist durchaus gegeben...

Moiré-Effekt mit ikonenhafter Qualität
Dieser P
Moiré-Effekt im, bzw. vor, Straßenraum
An einem anderen Standort...
Figur auf weißem Grund, gerahmt, auf weißem Grund, gerahmt, davor Figur...
Figur (etwas verdeckt) auf weißem Grund, gerahmt (etwas verdeckt), auf weißem Grund: ein Plakat. Plakat (angeschnitten, etwas verdeckt) gerahmt (angeschnitten, etwas verdeckt), davor Figur (angeschnitten), dahinter...
Präsentiert man eine differenziert ausgeführte Figur – hier eine große Limonadenflasche – vor einem imaginären Bildraum, der sich durch einen technischen Trick – in unserem Beispiel ein Moiré-Effekt*, früher bei den christlichen Ikonen ein Goldgrund – einer metrischen Bestimmbarkeit** entzieht, scheint sich der Kontrast von Figur und Grund zu verstärken und die Figur sich geradezu in den Raum hineinzuschieben.

Ähnlich wie bei einer christlichen Ikone entsteht hier der paradoxe Eindruck, dass die gezeigte Figur, in unserem Fall eine Getränkeflasche, zugleich präsent und unnahbar erscheint, ohne dass es für diese widersprüchliche Gleichzeitigkeit eine begriffliche Entsprechung gäbe.

Die hier erzeugte Spannung, dieses sozusagen hin- und hervibrierende Zwischen, wurde in der Ikonenmalerei natürlich genutzt, um eine Gottesidee nachvollziehbar zu machen, die nicht mit Begriffen, auch nicht mit denen der negativen Theologie, beschreiben werden konnte.



Überhaupt gibt es weitere
auffällige Ähnlichkeiten dieser Werbung mit Ikonen:

1. Die Figuren auf Einzelikonen sind
häufig frontal und axial dargestellt, um eine unmittelbare Beziehung zwischen Bild und Betrachter herzustellen.

2. Die Formen sind oft
strukturiert und klar.

3. Die Darstellung von Figuren ist bei alten Malstilen strikt
zweidimensional, die besondere Perspektive zielt auf die Darstellung selbst. Dadurch wird betont, dass die Ikone Abbild der Wirklichkeit, nicht die Wirklichkeit selbst ist.

4. Die
relative Größe der Figur, ihre Position, und die Perspektive des Hintergrunds sind nicht realistisch, sondern haben symbolische Bedeutung. Die Perspektive ist scheinbar so konstruiert, dass der Fluchtpunkt vor dem Bild liegt (umgekehrte Perspektive). Die Umgebung tritt oft hinter der verehrungswürdigen Figur (die sozusagen im Vordergrund ist) zurück.

5. Alle Figuren im Bild werden durch
Beischriften (Kürzel) identifiziert, um sicherzustellen, dass der Bezug auf eine reale Figur (Gegenstand / Person) erhalten bleibt.
Eine christliche Ikone wird erst durch die Beschriftung zur Ikone, Ikonen ohne Beschriftung sind nicht verehrungswürdige Bilder. Auch sonst finden sich oft Schriftrollen bzw. Bücher mit Texten in den Händen der dargestellten Heiligen, die, wie in der romanischen und gotischen Kunst auch, in ihrer Funktion mit den Sprechblasen eines Comics vergleichbar sind.

6. Ikonenmalerei wurde
als religiöses Handwerk, nicht als Kunst gesehen, weshalb auch das Wort „hagiographia“, also Heiligenschreiberei, der Herstellung einer Ikone näher kommt. Die individuelle, schöpferische Handschrift des ausführenden Künstlers war aus kirchlicher Sicht irrelevant, klassischer Weise wurden Ikonen nicht signiert.



Heute gibt es also da ein Moiré, wo früher ein Goldgrund für den unbestimmten, da unbestimmbaren und damit abstrakten, Raum stand.

   Allerdings muss sich, anders als bei den meist gerahmt auf einer Wand hängenden Ikonen, die auf runden Litfassäulen verklebte Cola-Werbung unter ganz anderen Bedingungen, ohne Rahmung und den Schutzraum einer freien Wandfläche, gegen den städtischen Umraum und seine mögliche räumliche Tiefe, seine potenzielle Heterogenität und Kleinteiligkeit behaupten.

Der sonst bei Produkt-Präsentationen so beliebte – und hier nicht zum Einsatz gekommene – neutrale weiße Umraum verhält sich da anders, weil in der Regel mit Schatten gearbeitet wird, der hilft, die Figur zu erden und zu verorten. Wir nehmen diesen weißen Bildraum (aus Gewohnheit?) nicht mehr als abstrakten Bildraum wahr.

   Interessanter Weise haben sich die Gestalter der Cola-Werbung nicht getraut, auf einen Schatten am Fuß der Flasche zu verzichten. Das zweite Beispiel-Foto mit einem anderen Bildausschnitt macht deutlich, dass der etwas unentschieden und unrealistsich wirkende Schatten die Wirkung eher schmälert.


Nun ist das mit den Ikonen allerdings so eine Sache: leicht wird aus einem Bild zum Beten ein angebetetes Bild, es kommt zu Ikonolatrie (Bilderanbetung) und Idolatrie (Götzendienst). Dabei handelt es sich sozusagen um einen bildhermeneutischen Fehler: die Differenz von Darstellung (Bild) und Dargestelltem (Gottheit, Produkt) wird aufgehoben.

"Das Problem der Idolatrie gleicht psychologisch der irrtümlichen Vorstellung vom Gebet, dass Gott jede Bitte erfüllen müsse, denn auch das wäre nichts anderes als die Manipulation einer himmlischen Wunderinstanz bzw. die innere Aufrichtung einer falschen Gottesvorstellung.
*
[...]
Der Richtungssinn in der Betrachtung von Kultbildern ist wesentlich für ihre Funktion. Handlungen vor oder am Bild sind auf die Gottheit selbst (aus-)gerichtet. Je nach dem, was in einer Religion legitim erscheint, zählen dazu Opfergaben, Gebete, rituelle Fütterungen und Bekleidungen von Figuren, Waschungen, das Entzünden von Kerzen oder Räucherwerk. Umgekehrt wird erwartet, dass religiöse Handlungen von der Gottheit beantwortet werden, nämlich das Gebet erhört, Heil vergewissert, Rechtfertigung erteilt, Heilung oder Offenbarung gewährt und gegebenenfalls ein Wunder getan wird. Kurzum wird erwartet, dass Gott gegenwärtig werde.
** Der Umgang mit dem Kultbild hat Gebetsstruktur.
[...]
Das Kultbild setzt funktional voraus, dass die religiöse Handlung einen Effekt in umgekehrter Richtung haben möge und eine göttliche Reaktion erhofft werden könne.
Damit impliziert das Kultbild drei Richtungsvektoren:
– vom Gläubigen zum Bild
– vom Bild zur Gottheit
– vom Bild wieder zum Gläubigen.
*
[...]

Wenn sich der Umgang mit dem Kultbild zur Idolatrie verkehrt, ist der Fehler "zuerst in der religiösen Praxis und nicht im Bild zu suchen." [!]

"Ein Bild, das in seinem Gebrauch ursprünglich auf Gott und damit über sich selbst hinaus weist, zieht nun die göttliche Wirklichkeit an sich und bindet sie an den Bildgegenstand. Der Verweis des Bildes von sich weg auf die souverän wirkende Gottheit wird sozusagen "abgeschnitten". Der Richtungsvektor "Bild - Gott" fällt dieser Unterbrechung der bildlichen Verweisfunktion zum Opfer."

Markus Zink formuliert dann mögliche
Störungen der bildlichen Verweisfunktion:
1. Auf pragmatischer Ebene wird aus dem Bild, das eigentlich dem Gebet dienen soll, ein angebetetes Bild.
2. Das Bild (der Bildinhalt) wird fälschlicher Weise als "Aussehen Gottes" gewertet. Das Bild wird zum "Idol".
3. Die von Gott erbetene (und erwartete) Wirkung wird dem Bild zugeschrieben: es wird als ein Wunderding mit magischen Fähigkeiten angesehen.





Zitiert nach Markus Zink: Theologische Bildhermeneutik – ein kritischer Entwurf zu Gegenwartskunst und Kirche. LIT Verlag 2003
**  Irre: das alles gilt noch als erlaubt und harmlos? Ich dachte es ginge höchstens darum, eine Verbindung herzustellen, um ein "nicht allein sein"...
Erweise mir die Gnade zu spüren, zu sehen, zu erfahren. Von: dem, das, dir... der Wahrheit, dem Ganzen – abgesehen von meinen Irrtümern, Verstrickungen, Verblendungen und Unfähigkeiten.
*  ... und nicht etwa wieder erst zum Kultbild und dann zum Gläubigen? Lacan deutet das wohl eher so, dass sich der menschliche und der göttliche Blick im Bild treffen. ("Verschränkung der Bildvektoren". Vgl. Lacan Was ist ein Bild / Tableau, S. 82 f.)

... handschriftlich ist
es persönlicher?


22.10.2014
Lieblingspfeile

Lieblingspfeile 1339 - Gastbeitrag von Bettina Brach
Plantage, Bremen (Fotos Bettina Brach)
Lieblingspfeile 1339 - Gastbeitrag von Bettina Brach
Im Street View von Google Maps mit Bildern aus dem August 2008 ist das Verkehrsschild (Plantage 8, 28215 Bremen) noch ohne den drüber gesprühten Pfeil zu sehen
Lieblingspfeile Nr. 1339
Pfeil-Dopplung

Handelt es sich hier um den Versuch einer Steigerung durch Doppelung – Pfeil auf Pfeil – der Hinweiskraft? Die durch die Überlagerung von Handschriftlichkeit und gedrucktem Zeichen entstehende Reibung führt durchaus zu Aufmerksamkeit
*, dient aber nicht der Klarheit und Lesbarkeit.


Formal handelt es sich hier um eine Tautologie: dasselbe (dieselbe Sache, derselbe Sachverhalt) wird mit einem sinngleichen Zeichen noch einmal angezeigt, hier sogar so, dass die Zeichen übereinander liegen...

Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps. Und Pfeil ist Pfeil?

Bedingt vergleichbar ist unser Fall mit der rhetorischen Figur des Geminatio, bei dem die Doppelung eines Wortes zum Zweck der Verstärkung der Wirkung eingesetzt wird, wie in dem Beispiel „Niemals, niemals verlass’ ich dich!“



Eingereicht von Bettina Brach, betextet von mir.




Verfahren im Sinne von Handlung, ein in Verfahrensschritte zerlegbarer und wiederholbarer Ablauf.
16.10.2014
Lieblingspfeile

Lieblingspfeile 1338
Ladenschild, Bremen
Lieblingspfeile 1338
Detail des Ladenschildes
Lieblingspfeile Nr. 1338
Bildgebende Hin-und Herpfeile

Wie sehen hier sozusagen ein bildgebendes Verfahren*: durch ein Hin und Her (An- und Verkauf), dargestellt durch zwei Pfeile, an einem, durch einen roten Kreis dargestellten, Ort (Fotoladen) entsteht vor unseren Augen das, worum sich hier alles dreht: Fotoapparate.

(Nun gut, der obere Pfeil muss noch eine kleine Störung verkraften, damit der Auslöser auch dargestellt werden kann... )



Aus: Francis Carco. Gespräch mit Matisse. In: Matisse. Über Kunst. Hrsg. von Jack D. Flam
12.10.2014
Bildfolgenabschätzung (2)

Eines Morgens – zu der Zeit wohnten wir beide im Hotel de la Méditerranée – war Matisse bei mir eingetreten:
»Nanu«, fragte er mich, »wo fehlt's? Krank?«
Ich hatte Grippe. Matisse fühlte mir den Puls, machte ein ernstes Gesicht, und ich begriff, warum ihm seine Kameraden bei Jambon den Übernamen der Doktor gegeben hatten.
»Schade«, sagte er, »ich habe gestern in Cimiez zu malen begonnen, und mein Wagen erwartet mich. Aber das macht nichts. Moment mal!«
Er ging weg und kam mit mehreren seiner Bilder, einem Hammer und Nägeln zurück. Im Nu waren die Nägel eingeschlagen und die Bilder aufgehängt.
»Also«, sagte er, »bis heute abend. Ich werde nach Ihnen sehen. Bleiben Sie liegen: keine Dummheiten!
Meine Bilder werden Ihnen Gesellschaft leisten«*



 *  Impulskauf: den "Kunden solche Produkte zu verkaufen, von denen sie noch gar nicht wissen, dass sie diese überhaupt brauchen." Einkaufen kann verstanden werden als Aktivitätsbündel, bei dem verschiedene Tätigkeiten mehr oder weniger vorbereitet, geplant, impulsiv oder habitualisiert ausgeführt werden. Ein Impulskauf liegt vor, wenn der Kunde einen Artikel aus einer plötzlichen Eingebung, einem Impuls heraus, kauft, ohne dass er diesen Kauf vorher geplant hat. (Falk; Wolf 1992, 336) Weitere Quelle: Bernd Falk, Jakob Wolf: Handelsbetriebslehre. Verlag Moderne Industrie, 1992

"Fast alle Spontankäufe sind ein Ergebnis von Sinneseindrücken - Berühren, Hören, Sehen, Riechen oder Schmecken-, die man im Geschäft erlebt. Daher kann Merchandising so viel einflussreicher sein als Marketing und daher werden auch das Internet, Kataloge und Teleshopping immer nur eine Ergänzung zum Einkauf in richtigen Geschäften sein, ihn aber niemals ganz ersetzen können.“ (Underhill 2000, 164)
07.10.2014
Lieblingspfeile

Lieblingspfeile 1337
Dieser Pfeil – Kontext siehe Abbildung unten – soll spontan und menschlich, also sinnlich, wirken und so zu einem Impulskauf* anregen. Interessant ist, wie künstlich seine "Natürlichkeit" hergestellt wurde: schöne Linienausfransungen wurden kopiert und an anderer Stelle wieder verwendet...
Lieblingspfeile 1337
S-Bahnhof Prenzlauer Allee, Berlin
Aus einem Gespräch über Pfeile:

Kater: Wenn man sich mit Pfeilen beschäftigt, ist das allererste, was man macht: man verhält sich nicht pfeilkonform! Weil: vor einem Pfeil stehen zu bleiben, ist falsch.
F: (lachen)
K: Also anzuhalten und einen Pfeil zu fotografieren ist eigentlich widersinnig. Denn: du sollst ja da lang, die Schnauze halten und nicht stehen bleiben. Ein Pfeil hält dich in Bewegung. Und deswegen ist der Pfeil eigentlich auch etwas für den fließenden Verkehr.
Das Flanieren beinhaltet ja auch das Stehen bleiben, eigentlich ist der Fußgänger, wenn er neugierig ist, wenn er offen ist, wenn er Zeit vertrödelt, gerade nicht pfeilkonform. Pfeilkonform bist du, wenn du im Auto sitzt und: zack, nicht links und rechts guckst, du hast ein Ziel, du willst irgendwo hin.
Es heißt ja immer, die Menschen hätten früher viel und hart gearbeitet. Das stimmt sicherlich... aber wenn man da im 15. oder 16. Jahrhundert guckt, wie damals Menschen auf dem Land gelebt haben: es gab unglaublich viele Feste... und Anlässe, was zu zelebrieren. Die sind relativ gut miteinander umgegangen, und es gab ein Arbeiten, dass durchaus das links und rechts Gucken möglich machte. Und wenn man sich das näher anguckt, ist es auffällig, wie viel heute Leute, die eigentlich, rein theoretisch, es sich leisten könnten, mal nach links und rechts zu gucken, das gar nicht tun wollen, nicht auf die Idee kommen, das zu machen.    Früher gab es Gott, Klerus und den Großgrundbesitzer, für den man gearbeitet hat. Man bekam Ärger, wenn man nicht gearbeitet hat. Das ist ja heute ähnlich. Aber wie weitgehend man schon ganz viel Sachen verinnerlicht hat und automatisch abspult... diese internalisierte Arbeitsdisziplin... dafür ist der Pfeil ein Symptom.
Wenn man sich durch den öffentlichen Raum bewegt, staunt man unglaublich wenig. Niemand achtet auf Details, alle rennen da durch, wie so kleine Roboter. Und dafür sind Pfeile sehr hilfreich. Sobald man aber innehält und sich einen Pfeil anguckt und fragt: sag‘ mal, blöder Pfeil, soll ich jetzt wirklich... und wieso eigentlich? – gefährdet man fast schon den gesamten Ablauf.
F: Ja...
K: Man stelle sich vor, jemand bremst auf der Autobahn, um sich einen Pfeil näher anzugucken: „Hmm, Pfeil, ich finde, du solltest 20 Zentimeter länger sein.“
F: (lachen)
K: „Sonst folge ich dir nicht.“ Oder so. Oder: „Was soll das eigentlich?“ Ein Pfeil steht also auch für: Frag nicht, halt‘s Maul. Es gibt kein Zeichen, was das mehr versinnbildlicht.
S: Da würde ich behaupten, dass sich die Gesellschaft dem Pfeil immer stärker angenähert hat.
K: Hmm. Nicht umsonst ist der Pfeil auch so verbreitet. Man muss nur 100 Jahre zurück gehen, da gab es keine Pfeile als Zeichen. Es ist unglaublich, wie erfolgreich sich das Zeichen Pfeil innerhalb ganz kurzer Zeit verbreitet hat und wie wenig das reflektiert wurde.
F: Ich finde das faszinierend und cool, was Sie gesagt haben... Zum Beispiel Spiekermann gestern, den haben wir auch so ähnlich drauf angesprochen, von wegen: Pfeile unterdrücken ja eigentlich die Menschen...
K: (lachen)
F: ... simpel gesagt, und er hat das total abgebügelt – er macht ja auch Orientierungssysteme, er ist ja derjenige, der...
K: Orientierungssystem-Papst.
F: ... der die Pfeile den Menschen gibt. Der die macht, sich hinsetzt und sagt: hier, da, und so.
Er also: was heißt hier Unterdrückung, man muss doch wissen, wo man hin muss.
K: Es gibt natürlich immer beide Ebenen. Nichts ist schlimmer als ein Flughafen, wo man sich verläuft. Es gibt irgendeinen Holländer, der sich auf so was spezialisiert hat, der...
S: Paul Messenar.
K: ... der mit Assistenten und einer Videokamera zwei, drei Tage in Flughäfen rum läuft und erst Mal die Situation untersucht und festgestellt hat, dass die Leute so gestresst sind, dass sie die Pfeile übersehen, man muss also die Pfeilmenge erhöhen... Alles ganz sinnvoll. Aber die Frage ist: ein Flughafen ist eine Sondersituation. Der Stress, den man, wenn man nicht jeden Tag fliegt, hat: man ist aufgeregt; Urlaub; und Hilfe! Und hab‘ ich was vergessen? Oder man hat Angst vorm Fliegen, oder sonstwas... eine Sondersituation. Aber eigentlich, wenn man sich das anguckt, gibt es scheinbar nur noch diese Sondersituationen, also der Flughafen ist überall.
Und das kann‘s eigentlich nicht sein.



Machen!
Hiermit beantrage ich Titelschutz für...
Nein,
im Ernst: ein bisschen claimen möchte ich den Begriff schon.
**  Christiane Rebmann im Musik Express Heft 06/1985 in einer Plattenbesprechung von Brothers In Arms von den Dire Straits.
03.10.2014
Schwarzplastik – sehen oder hören?*

Wer früher kein Geld für Bücher hatte und aus welchen Gründen auch immer keine klauen mochte, der besorgte sich Raubdrucke. Für die gab es eine Art Schwarzmarkt.

Nicht viel anders verhält es sich heute mit
Schwarzkopien, womit in der Regel Warez gemeint ist.

Schwarzplastiken könnten dann doch eigentlich auf 3D-Druckern mit illegal beschafften 3D-Daten gedruckte Teile genannt werden?

Gefunden habe ich den Begriff allerdings in einer Plattenbesprechung aus dem Jahr 1985:
"Abgesehen vom 84er Live-Mitschnitt ALCHEMY hatten Knopfler und seine Sultans Of Swing
seit 1982 keine Schwarzplastik veröffentlicht. Nicht, dass man sich in der Zwischenzeit auf seinen Lorbeeren ausgeruht hätte. [...]"**



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02.10.2014
Pfeil-Situation_18

Pfeilsituation_18 - Foto von Bettina Brach
Regionalexpress 4454 Bremen-Bremerhaven am 1.10.2014 – etwas nachbearbeitetes Foto von Bettina Brach
Alles scheinbar klar und nüchtern – aber dann bleiben wir, ganz unbeabsichtigt, an dieser Pfeil-Situation hängen, driften schauend, sachte vom Zug geschaukelt, ins Kontextlose und die pfeiligen Handlungsanweisungen bekommen so eine verspielte tänzerische Note, man gerät richtig in Versuchung, den beiden Pfeilen Folge zu leisten... aber ach: man hat den nötigen Vierkantschlüssel nicht dabei.

Eingereicht von Bettina Brach, betextet von mir.



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Pfeil runter 30. September 2014
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