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01. Januar 2017
Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 31.12.2016
 
31.12.2016
Jahreswechsel

Leiter
Eine Leiter am Main – das Blaue ist ein Schiff...
Auf ein gutes 2017.

Sie: "Hätte Deine Seele den Aufgang, den meine hat."
Er: "Den steten Aufgang hat sie ohne alles Hindernis; aber nicht ein stetes Bleiben."

Die Jakobsleiter oder
Himmelsleiter ist ein Auf- und Abstieg zwischen Erde und Himmel, den Jakob (laut der biblischen Erzählung in Gen 28,11 EU) während seiner Flucht vor Esau von Beerscheba nach Harran in einer Traumvision erblickt. Leiter ist nicht die einzig mögliche Übersetzung, auch wenn sie in der abendländischen Bildtradition vorherrschend wurde. Das hebräische Wort kann auch Treppe, Stiege, Rampe bedeuten. Die Bildvorstellung der Erzählung ist wahrscheinlich die der Tempeltreppe einer altorientalischen Zikkurat, die vom Erdboden zum Allerheiligsten emporführte. Das erklärt, warum Jakob das wahre Haus Gottes gefunden zu haben glaubte.



Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 29.12.2016
 
29.12.2016
Lieblingspfeile

LP 1510 - Lieblingspfeil Nr. 1510 von Hannes Kater
Bezeichnete Klopapierrollenhalterung in einer Toilette der HfG Offenbach
Lieblingspfeil Nr. 1510
Pfeil-Nasen-Unschärfe

Wenn man sich für Pfeile interessiert, sollte man es nicht versäumen, einige Toilettenräume und Klokabinen aufzusuchen, wenn man einen Termin an einer Kunsthochschule hat, weil die Chancen nicht schlecht stehen, interessante tags und Zeichnungen mit Pfeilen zu finden.

Den freundlich grinsenden Klopapierrollenhalter mit einem
Pfeil als Platzhalter für eine Nase habe ich neulich an der HfG Offenbach gefunden.


Zum Thema Pfeile als Nasen vgl. auch mit Kunstpfeil_35 und LP 399.

Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 27.12.2016
WeitereKunstpfeile:
18.08.2016 – Kunstpfeil_45
18.08.2016 – Kunstpfeil_44
04.07.2016 – Kunstpfeil_43
24.06.2016 – Kunstpfeil_42
16.03.2016 – Kunstpfeil_41
24.02.2016 – Kunstpfeil_40
05.01.2016 – Kunstpfeil_39
24.09.2015 – Kunstpfeil_38
20.09.2015 – Kunstpfeil_37
04.09.2014 – Kunstpfeil_36
[...]
27.12.2016
Kunstpfeil_46

Kunstpfeil_46
Kunstpfeil_46
Jakob Mohr: "Beweiße", um 1910, Bleistift, Feder auf Aktenpapier, 33 x 21 cm (oben) und Detail (unten)
In die müßige Debatte, ob es sich bei der links vorgestellten Zeichnung um Kunst oder Nicht-Kunst handelt, will ich hier heute nicht einsteigen… dafür aber darauf aufmerksam machen, dass wir hier einen der frühesten Einsätze von Pfeilen in einem Bild sehen: die Zeichnung von Jakob Mohr, einem mit der Diagnose Dementia praecox paranoides in die Großherzogliche Heilanstalt Wiesloch eingewiesener Gärtner, Landwirt und Kolporteur, entstand "um 1910" – und wurde später in die Sammlung Prinzhorn aufgenommen.


Dementia praecox ist ein Begriff, mit dem früher in der Psychiatrie Geisteskrankheiten aus dem schizophrenen Formenkreis beschrieben wurden. Er wird heute nur noch im historischen oder umgangssprachlichen Sinne verwendet.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit litt Jakob Mohr unter einer akuten Paranoia, er bestand darauf, zum "Schutz gegen elektrischen Strom und Nervengift ein Hemd aus Metallfolie" zu tragen.

In seinen Zeichnungen versuchte er "starke elektrische Wellen" darzustellen, die seiner Meinung nach sein Denken und Leben bedrohten und die von Personen mit einem tragbarem Strahlungsapparat ("tragbarer Beeinflussungsapparat") ausgelöst wurden.

Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 23.12.2016
Denn ersten Eintrag
zum Thema gab es am
19.11.2003 zu diesem
Pfeil-Bäumchen:
Weitere Einträge:
24.12.2003 – LP 106
24.12.2004 – LP 303
23.12.2005 – LP 585
24.12.2005 – LP 586
22.12.2007 – LP 987
24.12.2007 – LP 988
23.12.2014 – LP 1352

23.12.2016
Lieblingspfeile

LP 1509 - Lieblingspfeil Nr. 1509 von Hannes Kater
Weihnachtsdekoration einer Apotheke im HBF Berlin – und dieselbe freigestellt und gedreht unter dem Text rechts
Lieblingspfeile Nr. 1509
Pfeil-Baum-Unschärfe

Um Weihnachten rum versuche ich immer Beispiele für eine
Pfeil-Tannenbaum-Unschärfe zu finden und so die Tradition fortzusetzen, hier im Blog weihnachtliche Pfeile zu präsentieren.

Eine Pfeil-Irgendwas-Unschärfe entsteht immer dann, wenn man nicht sicher entscheiden kann, ob man nun einen Pfeil, etwas aus Pfeilen Zusammengesetztes oder irgendetwas anderes vor sich hat.


Der tradierte
* Text zum Weihnachts-baumpfeil, bzw. Pfeilweihnachtsbaum:
"Ist ein Weihnachtsbaum nicht eigentlich ein nadelnder Pfeil, der die ideelle Fähigkeit, bzw. die Sehnsucht, des Menschen, Irdisches und Überirdisches, also den Abstand zwischen hier und Himmel, beliebig zu durchmessen, symbolisiert?"
(Ein etwas abgewandeltes Klee Zitat)



Freigestellter Lieblingspfeil Nr. 1509 von Hannes Kater
Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 22.12.2016
 
22.12.2016
Lieblingspfeile

LP 1508 - Lieblingspfeil Nr. 1508 von Hannes Kater
LP 1508 - Lieblingspfeil Nr. 1508 von Hannes Kater
Zusätzlich auf ein Hinweisschild getapter Pfeil, London 2016
Lieblingspfeil Nr. 1508
Pfeil-Mösenzeichen-Unschärfe + Getapter Pfeil

Wenn bei einem Pfeil die Pfeilbahn nicht länger als die ist als ein oder beide Pfeilspitzenlinien und wenn die Linien des Pfeils nicht akkurat gerade sind, also eher handgemacht wirken, und wenn dann noch die Pfeilspitze einen klar kleineren Winkel als 90 Grad hat, dann haben wir einen Kandidaten für die
Pfeil-Mösenzeichen-Unschärfe.

Pfeile mit einer solch kurzen Pfeilbahn zeichnen sich vor allem durch eine geringe Zeigewirkung aus und sind, auch deshalb, oft nicht auf den ersten Blick als Pfeil zu erkennen.


Vgl. auch mit LP 1505



Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 21.12.2016
 
21.12.2016
Lieblingspfeile

LP 1507 - Lieblingspfeil Nr. 1507 von Hannes Kater
Komplett aus breitem gelben und schwarzen Klebeband geklebter Pfeil auf 2 Bauzaunelementen: Rückansicht bei anbrechender Nacht (oben) und Detailansichten der Pfeilspitzenkonstruktion und -befestigung von vorn und hinten bei Tageslicht (unten)
Lieblingspfeil Nr. 1507
Getapter Pfeil

Von Leuten, die so was schon öfter gemacht haben, wurden etliche Werbehinweise
breitflächig aus Tape für eine Werbeaktion für ein neues Automodell von Audi am Rande des Ernst-Thälmann-Parks geklebt: durchscheinend in Spiegelschrift kann man im oberen Foto noch den Text "#PROBEFAHREN" erkennen.




Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 20.12.2016
Siehe dazu auch Eintrag: Experimentelles Zeichnen_08

Es gibt kaum eine 3er Zeichenkette die im Deutschen leichter mit einem Vokal zu ergänzen ist, als das eigentlich englische "FCK", weil nicht nur der Platz des Vokals innerhalb der Zeichenkette mit F_CK eigentlich klar ist, sondern auch 3 von 5 Vokalen (U, A, und I) irgendwie passen.

20.12.2016
Lieblingspfeile

LP 1506 - Lieblingspfeil Nr. 1506 von Hannes Kater
LP 1506
Getapter Peil, Sticker und Graffiti, Prenzlauer Berg, Berlin
Lieblingspfeil Nr. 1506
Erodierende getapte Pfeilspitze

Das Klebeband, mit dem der Pfeil getapt wurde, löst sich unter freiem Himmel langsam auf, aber noch ist die linke Pfeilspitzenlinie zu erkennen...


Unter dem Pfeil finden wir auf einem dort verklebten Sticker ein Beispiel für ein nicht konsistentes
Weglassen der Vokale* in Text: 
FCK – hier fehlt das "U"
AFD – hier ist das "A" ausgeschrieben



Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 16.12.2016
Siehe Gespräch mit Erik Spiekermann mit den Abschnitten:
Der Pfeil in Schriften_1
Der Pfeil in Schriften_2
Der Pfeil in Schriften_3

16.12.2016
Lieblingspfeile

LP 1505 - Lieblingspfeil Nr. 1505 von Hannes Kater
Plakate, gestaltet von Studierenden der HfG Offenbach. Rechts wird der (getapte Mösenzeichen-) Pfeil als Ornament eingesetzt: schön
Lieblingspfeil Nr. 1505
Pfeil als Platzhalter für ein "V" + Pfeil-Mösenzeichen-Unschärfe + Getapter Pfeil

"VOLLVERSAMMLUNG" aus einem
Font aus getapten Buchstaben incl. "V"-Pfeil, was natürlich vorbildlich ist.*


Außerdem liegt hier eine recht deutliche
Pfeil-Mösenzeichen-Unschärfe vor – die, in Zeiten, in denen fast alle publizierten Bilder von Mösen diese ohne Behaarung zeigen, offensichtlicher sein dürfte, als in früheren Zeiten.

Bedingungen für eine Pfeil-Mösenzeichen-Unschärfe:
- Pfeilbahn und Pfeilspitzenlinien (Pfeilruder) annähernd gleich lang
- Pfeilspitze bildet einen Winkel zwischen 60 und 80 Grad
- Stumpfe oder runde Pfeilspitze

Vgl. auch mit der
Tageszeichnung vom 21.10.2011

Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 14.12.2016
T. Berger und C. Heise von der Studiengruppe Sprachkunst befragten im Jahr 2005 Passanten, ohne zu der Auswahl und Anzahl genauere Angaben in ihrer Veröffentlichung im Netz zu machen.
**  Besonders auffällig dabei ist, dass sich die 58% der Befragten, die eine Botschaft wahrnehmen, zu 40% aus Personen mit höheren Schulabschlüssen (Hochschule, (Fach-)Abitur) und zu 11% aus Realschulabsolventen zusammensetzen. Nur 7% der Hauptschüler und der Personen ohne Abschluss nehmen eine Botschaft wahr.
14.12.2016
Experimentelles Zeichnen_08Nachtrag

Experimentielles Zeichnen_08 - Nachtrag
U-Bahnhof Westhafen, Berlin: in der Mitte, knapp über – und auch noch etwas verdeckt von – dem Graffiti ist in Rot das Wort "SPRACHE" zu erkennen; eine Art Einstiegshilfe in den Text.
Das Graffiti ist irgendwann im Dezember 2016 gesprüht worden, also ganz aktuell.
Ein Buchstabe pro Kachel und keine Wortzwischenräume und gliedernde Satzzeichen – die sind aus den Texten an den Wänden des U-Bahnhofs Westhafen verschwunden und versammeln sich pur an den Säulen in der Bahnsteigmitte – dazu noch willkürliche Zeilenumbrüche und nur je ein Wort in Rot, wie "MENSCH" oder "SPRACHE", in den insgesamt 20 präsentierten Artikeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN, die schon 1948 veröffentlich wurden.


Zur
Rezeption des im Jahr 2000 von Françoise Schein und Barbara Reiterim realisierten Kunstprojektes gab es eine kleine Untersuchung:*

   89% der Passanten nehmen das Projekt trotz der "allgemeinen öffentlichen Zeichenschwemme, die die Aufmerksamkeit und Konzentration vieler Menschen behindert", wahr.
   Die fehlenden Satzzeichen und Spatien erwecken bei 71% Interesse am Objekt, erschweren jedoch für die Mehrheit der Befragten (75%) die Rezeption, so dass diese formale Veränderung des Basistextes die inhaltliche Auseinandersetzung erschwert.
*
   Das Projekt soll die Rechtsreflexion fördern, aber nur 58% beantworten die Frage nach einer Botschaft und rund 20 % nennen dabei die wirkliche Botschaft.
**



Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 13.12.2016
Ältere Einträge ExZen:
Experimentelles Zeichnen_08
Experimentelles Zeichnen_07
Experimentelles Zeichnen_06
Experimentelles Zeichnen_05
Experimentelles Zeichnen_04
Experimentelles Zeichnen_03
Experimentelles Zeichnen_02
Experimentelles Zeichnen_01
13.12.2016
Experimentelles Zeichnen_09

Hannes Kater - Experimentelles Zeichnen_09: Pseudoschrift wird Bild
Zeichnung nach "Abschied" von Paul Klee von 1918, allerdings habe ich etwas dazu erfunden: die Zeichnung ist nun deutlich breiter als die Vorlage

Mit wenigen Zusätzen, die dafür sorgen, dass wir das Ergebnis nicht nur in Zeilen lesen wollen und können, wird aus einer Pseudoschrift ganz schnell ein Bild.

Auch wenn das Ergebnis für unsere heutigen Augen etwas kitschig wirkt, so waren die Arbeiten von Paul Klee – die Zeichnung links ist abgeleitet aus einer Arbeit von ihm aus dem Jahr 1918 – doch wichtige Beiträge zu den Fragen, wie man
Bild- und Schriftstrukturen so zusammen einsetzen kann, dass neue Abbild- und Speichermöglichkeiten möglich werden.


Nachtrag:
zum Vergleich hier reine Pseudoschrift im Klee-Style.



Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 12.12.2016
Weitere Realerere Fälle:
Realerer Fall_09
Realerer Fall_08
Realerer Fall_07
Realerer Fall_06
Realerer Fall_05
Realerer Fall_04
Realerer Fall_03
Realerer Fall_02
Realerer Fall_01
12.12.2016
Realerer Fall_10

Realerer Fall_10
Wand in einem Zugang zum U-Bahnhof Spichernstr., Berlin
Quadratisches Raster mit einigen Störungen und ein tag, was grenzüberschreitend nicht nur eine der Störungen besetzt, sozusagen bespielt, sondern auch auf das Raster heraus lappt...





Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 11.12.2016
Ältere Einträge ExZen:
Experimentelles Zeichnen_07
Experimentelles Zeichnen_06
Experimentelles Zeichnen_05
Experimentelles Zeichnen_04
Experimentelles Zeichnen_03
Experimentelles Zeichnen_02
Experimentelles Zeichnen_01
Die gezeichneten Texte

1 und 2:
"Ein Text ohne Wortzwischenabstände und mit sehr eng stehenden Buchstaben und mit willkürlichen Zeilenumbrüchen ist sehr schlecht zu lesen"

3:
"Ein Text ohne Wortzwischenabtände und Satzzeichen aber mit gut erkennbaren Zeilen ist gerade noch so zu lesen"

4:
Pseudoschrift
11.12.2016
Experimentelles Zeichnen_08
Experimentelles Zeichnen_08: Schrift, Buchstaben und Pseudoschrift
Im 1. Text habe ich darauf verzichtet, waagerechte oder senkrechte Linien von nebeneinanderliegenden Buchstaben – etwa "N" und "D" – gemeinsam benutzen zu lassen: das hätte die Lesbarkeit nochmal deutlich reduziert...

4 Versuche, um die Bildqualitäten von Schrift und Pseudoschrift zu untersuchen, deren Buchstaben, bzw. Pseudozeichen,
gleichmäßig ohne Wortzwischenabstände und Satzzeichen in ein quadratisches Raster* so eingetragen wurden, dass keine Zeilen oder Spalten mehr auszumachen sind:

1.
Die Buchstaben eines Textes* füllen die jeweiligen Rasterquadrate vollständig aus:
   Das Ergebnis ist eher ein
Buchstabenbild (vgl. a. Bilder aus den 50er Jahren von Jasper Johns) als ein Textbild. Noch deutlicher wird das, wenn man die Buchstaben auch noch dreht und ihre Anordnung in Spalten statt in Zeilen organisiert – siehe hier.

2.
Wie in Beispiel 1., nur sind jetzt alle Vokale des Textes durch einen Doppelpunkt ersetzt:
   Obwohl das Ergebnis noch schlechter (bzw. gar nicht mehr) lesbar ist, wirkt es durch die Vokalauslassungszeichen doch mehr wie
ein zerstörter sinnvollen Text, als wie eine von vornherein sinnfreie Buchstabenansammlung – was natürlich von der Erwartungshaltung geprägt ist, mit der wir solche Textfragmente, bzw. Buchstabenbilder, betrachten.

3.
Die Buchstaben eines Textes füllen die jeweiligen Rasterquadrate nicht vollständig aus:
   Obwohl auch hier alle Gliederungshilfen, also Wortzwischenabstände, Satzzeichen und eine eindeutige Anordnung in Zeilen (oder Spalten) fehlen, ist der Text doch relativ leicht zu entziffern – und so ist das Ergebnis doch eher ein, zugegebener Maßen,
schlecht zu lesender Text als ein (Buchstaben-) Bild.

4.
Pseudotext:
   es entsteht ein durchaus
dekoratives Muster – mit einer nie ganz verschwindenden irritierenden Wirkung, weil beim Betrachten das Hirn immer mal wieder Deutungsansätze startet: die Möglichkeit, dass es sich hier doch um sowas wie eine Schrift handeln könnte läßt sich schlecht endgültig ad acta legen.



Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 10.12.2016
 
10.12.2016
Nachträge zu LP 1494 und LP 1504

Nachtrag zu LP 1494
Werbender Hinweis, Berlin Weißensee
Nachtrag zu LP 1504
Graffiti, Prenzlauer Berg, Berlin
Nachtrag zu Lieblingspfeil Nr. 1494
Temporärer Hinweispfeil

Bei dem mit einem Spanngurt an- und abschnallbaren Hinweispfeil des Fahrradgeschäfts neben der Hofeinfahrt zu meinem Atelier zeigen sich schnell erste Gebrauchsspuren... besonders
die Pfeilspitze hat schon etwas gelitten (Foto links)


Nachtrag zu Lieblingspfeil Nr. 1504


Zu dem Foto von dem Graffiti des "Putin" mit dem verpfeilten "N" hatte ich geschrieben:
"Anscheinend stört das "Putin" keinen so sehr, dass es übermalt werden würde."
   Von den werbenden "Putin"-Graffiti gab es vom selben Urheber einige hier in der Gegend, ob mit oder ohne verpfeilte Buchstaben. Und eins ist jetzt
tatsächlich durchgestrichen worden.



Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 08.12.2016
Lesen lernen_1: 05.06.2014
Ian McEwan und Julian Barnes: Freunde und Spione. In: DIE ZEIT Nr. 41/2016
**  Philip Larkin – Whatever a poet is supposed to look like, it's not me – gilt als einer der bedeutendsten englischen Dichter des 20. Jahrhunderts und schaffte es mit seinen Gedichten sogar auf T-Shirts:
They fuck you up, your mum and dad. / They may not mean to, but they do.
08.12.2016
Lesen lernen_2

Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 08.11.2016 Neulich habe ich in einer rumliegenden ZEIT ein moderiertes Gespräch von Ian McEwan mit Julian Barnes gelesen und war von einer Aussage so begeistert, dass ich sie mir am nächsten Morgen rausschreiben wollte.

Zu meinem Erstaunen fand ich die Textstelle anders wieder, als ich sie in Erinnerung hatte. Es stand da nicht "
Ich tue so, als wäre ich ich" – da fehlte plötzlich ein "ich"… das hatte ich offensichtlich mitgelesen, obwohl es da nie gestanden hatte.

Da die ZEIT den Text ewig nicht online stellte, verlor ich die Sache etwas aus den Augen – aber jetzt haben sie ihn doch zugänglich gemacht:
*

Frage: Jetzt, im Interview, oder wenn Sie auf Lesetour gehen, sind Sie in gewisser Weise gezwungen, einen Mann namens […] Ian McEwan zu spielen. […] Ist das ein Problem oder ein Quell der Freude: die Freude der Selbstdarstellung?
Antwort: Philip Larkin hat den Satz geprägt: Ich tue so, als wäre ich. Und […] wenn man […] jeden Abend auftritt, fängt man irgendwann an, sich selbst unausstehlich zu finden und […] man fühlt sich am Ende wie ein Bürstenverkäufer aus den fünfziger Jahren, der an Haustüren klingelt, die von misstrauischen Hausfrauen bewacht werden.


Ich brauchte nicht lange, um das englische Original von Philip Larkin
** zu finden:
"I don't want to go around
pretending to be me". Da lag ich mit meinem Verleser gar nicht so falsch...



Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 05.12.2016
05.12.2016
Lieblingspfeile

LP 1504 - Lieblingspfeil Nr. 1504 von Hannes Kater
Graffiti, Prenzlauer Berg, Berlin
Lieblingspfeil Nr. 1504
Verpfeilter Buchstabe

Ein verpfeiltes "N" in "Putin",
eher wacklig als dynamisch nach oben weisend – gekoppelt mit einem Peace-Zeichen, höchstwahrscheinlich vom selben Autor... beides über einem grünen reduzierten (Augen und offener Kreis) Smiley platziert.

Das Graffiti gibt es schön etwas länger, aber anscheinend stört das "Putin" keinen so sehr, dass es übermalt werden würde.
(Hinweis, weil es bei der kleinen Abbildung nicht sicher zu erkennen ist: das Peace- Zeichen ist über das schwarze tag gesprüht worden, das tag crosst also nicht das Peace Zeichen.)




Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 28.11.2016
 
28.11.2016
Lieblingspfeile

LP 1503 - Lieblingspfeil Nr. 1503 von Hannes Kater
Getapter Hinweispfeil in Berlin Weißensee
Lieblingspfeil Nr. 1503
In Auflösung begriffener Pfeil

Durch Sonneneinstrahlung
stark angegriffener und sich ab- und auflösender getapter Pfeil.








Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 25.11.2016
Ältere Einträge ExZen:
Experimentelles Zeichnen_06
Experimentelles Zeichnen_05
Experimentelles Zeichnen_04
Experimentelles Zeichnen_03
Experimentelles Zeichnen_02
Experimentelles Zeichnen_01
In "The Domain of Images" führt J. Elkins 1999 den Begriff "Pseudoschrift" ("Pseudowriting") ein.
**  Eva Dietrich: Henri Michaux in Winterthur, NZZ 25.10.2013
25.11.2016
Experimentelles Zeichnen_07

Experimentelles Zeichnen_07: Pseudoschrift
Mit Pseudoschrift bezeichnet man ein System aneinandergereihter Graphismen, symbol- oder zeichenähnlicher Linienverdichtungen, die Schriftzeichen ähneln und/oder imitieren.*
Kriterien u.a.: lineare Anordnung; Abstände zwischen den Pseudo-Zeichen und Zeichenelementen; es gibt unterschiedliche Pseudo-Zeichen; die verwendeten Pseudo-Zeichen sind mehr oder weniger gleich groß und sie sind mehr oder weniger einfach gehalten.

Wikipedia dazu: "Ähnlichkeiten zu gängigen Schriftsystemen können beispielsweise beabsichtigt sein, um
vor Analphabeten eine Lese- und Schreibkompetenz vorzutäuschen." Kinder machen so was gerne, bevor sie selbst, und/oder ihre Freunde lesen können...

Das Hinterlassen schriftähnlicher Spuren – ein Schreiben ohne Regeln – als körperliche Tätigkeit ist von vielen Künstlern als Möglichkeit, (überhaupt erst mal) etwas auf einem Bildträger geschehen zu lassen, genutzt worden.

Als Verfahren gab und gibt es u.a.:
- Lyrische Abstraktion: Georges Mathieu
- Action Painting: Jackson Pollock
- Tachismus / Informel: Henri Michaux
- Pseudoschriften: Werner Hartmann, Friederike Feldmann, Xu Bing, Hanne Darboven
+ Ecriture Automatique: Arp, Tzara und Serner, André Breton, Max Ernst
+ Schriftaktionen (Visuelle und Konkrete Poesie): Guillaume Apollinaire, Carlfriedrich Claus, Ernst Jandl

Am Beispiel von Michaux lässt sich gut
das erhoffte kreative und befreiende Potential solcher Ansätze belegen. Einige Beispiele:

Eva Dietrich: "Diese Ideogramme einer nicht wörtlich entzifferbaren Schrift erlaubten es Michaux,
den festgelegten Zeichen des Alphabets zu entkommen und seine momentane Befindlichkeit mehr als Spur denn Schrift in bewegte Chiffren zu transkribieren. Verweigerten sich seine «Mouvements» einer sprachlichen Fixierung zugunsten von Bewegung, so verdeutlicht auch der weitaus größte Teil seiner «Ohne Titel» bezeichneten Zeichnungen und Bilder, dass seine Wahrnehmung der Welt sich sprachlicher Benennung verweigert."**

Laut Michaux sind seine ersten beiden Schrift-Bilder, die essais d’ écriture mit den programmatischen Titeln Narration und Alphabet, so entstanden: Beim Versuch, nach Ecuador zu reisen, muss er monatelang in einem Hotelzimmer auf die Abfahrt des Schiffes warten. Während dieses Wartens von ungewisser Dauer findet er zu einem Zeichnen, dass aus keiner Intention hervor geht und auf nichts hinaus will, es emergiert vielmehr aus der Beschäftigungslosigkeit, aus einem Mangel an Fokussierung und Kontext, ist sichtbare Manifestation eines Leerlaufs, eines Nullzustands von Tätigkeit und Erfahrung.



Felix Philipp Ingold: "Schaffen, Schöpfung – die im Kunstdiskurs weithin obsolet gewordenen Begriffe bewahren bei Michaux ihre ursprüngliche Bedeutung, bleiben gebunden an die Wunschvorstellung, aus nichts – oder jedenfalls aus so wenig wie möglich – komplexe Werke entstehen zu lassen. [...] Voraussetzung für solch unwillkürliches Schöpfertum ist der äußerst schwierige Verzicht auf Konzepte und Entwürfe wie auch die Abwehr von Vorbildern und Einflüssen.*

Matthias Hennig: Michaux [...] feiert die Geste des Malens als
Befreiung aus einer als erstarrt wahrgenommenen Welt der Schrift, der Zeichen und der Bedeutungen. [...] Mithilfe von Zeichen- und Schreibbewegungen werden paradoxe Gegenwelten entworfen, die zugleich Entstehen, Fixierung und Auflösung ihrer Sujets in Szene setzen. Poetisches Vokabular sowie Lineaturen und Punkte sind in Datenströme umgewandelt, die in ihrer skizzenhaften Anordnung diskontinuierlich bleiben, an den Rändern ausfransen, ins Diffuse verschwinden, mit ihren Linien und Vektoren ins Ungefähre, ins Gegenläufige, in eine Vielzahl von Richtungen verweisen. **


*  Felix Philipp Ingold: "Worte? Ich ertrage keins", NZZ 20.2.2015
**  Matthias Hennig:
Zur deutschen Erstveröffentlichung von Henri Michaux‘ „Zeichen. Köpfe. Gesten“
**  Heiner Müller: Ich scheiße auf die Ordnung der Welt. Ein Gespräch mit Matthias Matussek und Andreas Roßmann, In: H.M.: Gesammelte Irrtümer. Interviews und Gespräche. Frankfurt/M. 1986
Für den Produzenten gilt (auch):
Wenn denn der Weg das Ziel ist, dann
bin ich angekommen, schon zu Beginn.
(Anton Bruhin)

Für den Rezipienten gilt:
"Erfahrungen machen besteht doch darin, dass man etwas nicht sofort auf den Begriff bringen kann. Dass man später beginnt, darüber nachzudenken."
** 

Ja.
Aber... welchen "anderen, offenen Sinn" setzt diese "abstrakte Schrift" frei? Sinn, also Bedeutung, die "nicht durch Syntax und Typografie festgelegt ist", gleichzeitig aber, gestalterisch limitierend, "die Zeilenordnung der geschriebenen Sprache imitiert"?
Es sind nach der geglückten Befreiung keine neuen Regeln, Parameter, Notations- oder Darstelloptionen auszumachen – und so wird es schnell öd.



Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 17.11.2016
20.11.2016
Lieblingspfeile
LP 1502 - Lieblingspfeil Nr. 1502 von Hannes Kater
Aus einem etymologisch argumentierenden Lehrbuch für die chinesische Schrift aus den 60er Jahren

Lieblingspfeil Nr. 1502
Schriftzeichen mit angedeuteten Pfeil

Was aussieht wie ein Plus-Zeichen auf einem Strichmännchenkörper und auch an eine Halloween-Verkleidung erinnert: ein
Hut, durchbohrt von einem Pfeil – und der Träger des Hutes ist nicht tot – ist mutmaßlich die etymologische Quelle des chinesischen Schriftzeichens "fu".

Und: Sprache und Schrift ist nicht neutral, sondern durchtränkt von der jeweiligen Kultur und Ideologie...








Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 17.11.2016
Weitere Realerere Fälle:
Realerer Fall_08
Realerer Fall_07
Realerer Fall_06
Realerer Fall_05
Realerer Fall_04
Realerer Fall_03
Realerer Fall_02
Realerer Fall_01
17.11.2016
Realerer Fall_09

Realerer Fall_09
Prenzlauer Allee, Berlin – Detail hier
Tag (oder abgebrochenes Graffiti?) auf aufgeplatztem Plakat vor Mensch vor vorbeifahrenden LKW auf Straße vor Häusern (Foto oben) und Detail mit meinen gespiegelten Händen (hier).




Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 11.11.2016
11.11.2016
Lieblingspfeile

LP 1501 - Lieblingspfeil Nr. 1501 von Hannes Kater
Hinweis auf eine Toilette auf dem Gelände der UFA-Fabrik in Berlin Tempelhof
Lieblingspfeil Nr. 1501
Trennlinie fortsetzender Pfeil

Frauen links, Männer rechts – und der Pfeil setzt die Linie der Trennung fort.





Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 10.11.2016
10.11.2016
You Can’t Always Get What You Want*

Siehe: Wichtige Wendemarken


*   »Mick Jagger, the front man for the Rolling Stones, hinted Wednesday that he might perform at Donald Trump’s inauguration, after Trump closed out his victory speech with the song: “You Can’t Always Get What You Want.”«



Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 08.11.2016
Ältere Einträge ExZen:
Experimentelles Zeichnen_05
Experimentelles Zeichnen_04
Experimentelles Zeichnen_03
Experimentelles Zeichnen_02
Experimentelles Zeichnen_01
*   Gregory Bateson Ökologie des Geistes. Suhrkamp 1985. Dieser Text ist wohl aus den 1970er Jahren...
08.11.2016
Experimentelles Zeichnen_06
Hannes Kater - Experimentelles Zeichnen_06: keine unbekannte Schrift
Sieht aus wie eine geordnete Aneinanderreihung von Wort- bzw. Silbenzeichen einer uns unbekannten Schrift – ist aber nur ein Spiel mit den uns bekannten Schriftkonventionen: diese Zeichen sind nicht nur nicht mit Bedeutung hinterlegt, es sind gar keine Zeichen, sondern nur ordentlich aneinander gereihte Kringel, bzw. Linienverdichtungen... Was wir hier sehen ist also eher ein Muster, aus dem man auch eine Tapete entwickeln könnte. Die würde dann für einen Europäer irgendwie asiatisch anmuten, wäre aber immer noch nicht lesbar. Kurz: es geht hier weniger um Bedeutung, als um Anmutung. Also um Design und Innenarchitektur und nicht um Kunst oder Semiotik.

»Wer die Anordnung von Blättern und Zweigen im Wachstum einer blühenden Pflanze studiert, wird eine Analogie zwischen den Formalen Relationen unter Stielen, Blättern und Knospen und den formalen Relationen feststellen, die zwischen verschiedenen Arten von Wörtern in einem Satz bestehen. Er wird ein Blatt nicht als etwas Flaches und Grünes auffassen, sondern als etwas, das in besonderer Weise auf dem Stiel, aus dem es wächst, und auf den sekundären Stiel (oder die Knospe), der sich in dem Winkel zwischen Blatt und primären Stiel bildet, bezogen ist. Entsprechend interpretiert der moderne Linguist ein Substantiv nicht als den "Namen einer Person, eines Ortes oder einer Sache", sondern als
ein Element einer Klasse von Wörtern, die durch ihre Beziehung auf "Verben" und andere Teile innerhalb der Satzstruktur definiert ist.

Diejenigen, die zuerst an die in Relation stehenden "Dinge" denken (die Relata), werden jede Analogie zwischen Grammatik und der Anatomie von Pflanzen [und der Struktur von Zeichnungen] als weit hergeholt ablehnen. Schließlich gleichen sich ja auch ein Blatt und ein Substantiv [und (zum Beispiel) ein gezeichnetes Auge] vom äußeren Erscheinungsbild her ganz und gar nicht. Denken wir aber zuerst an die Beziehungen und betrachten die Relata als nur durch ihre Beziehungen definiert, dann fangen wir an zu staunen. Besteht eine tiefgreifende Analogie zwischen Grammatik und Anatomie [und den Strukturen von Bildern]? […]

In unserem Beispiel wird nicht behauptet, dass ein Substantiv wie ein Blatt aussehen soll. Es soll noch nicht einmal folgen, dass die Relation zwischen Stiel und Blatt dieselbe ist, wie die zwischen Substantiv und Verb.

Was behauptet wird, ist erstens, dass in der Anatomie wie in der Grammatik [wie in den Zeichnungen] die
Teile nach den zwischen ihnen bestehenden Relationen klassifiziert werden müssen. In beiden Gebieten hat man die Relationen als irgendwie primär, die Relata als sekundär aufzufassen. Darüber hinaus wird gefordert, dass die Relationen von der Art sind, dass sie durch Prozesse des Informationsaustauschs hervorgebracht werden.«*

Kurz: es bestehen mysteriöse und polymorphe Relationen zwischen Kontext und Inhalt – und
Kontext ohne Inhalt ist Muster und Struktur; Inhalt ohne Kontext ist Chaos und Idiotie.



Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 06.11.2016
06.11.2016
Lieblingspfeile

LP 1500 - Lieblingspfeil Nr. 1500 von Hannes Kater
Aufschrift an einem Lieferwagen, fotografiert in Berlin Lichterfelde
Lieblingspfeil Nr. 1500
Verpfeilter Buchstabe

Ein Firmenlogo mit einem kleinen
"d" und einem großen Pfeil.

Allerdings sieht es hier nicht so aus, als sei ein Buchstabe mit einem Pfeil versehen, also verpfeilt, worden, sondern eher so, als sei das "d"
ein Anhängsel des Pfeils. Und dies nicht nur deshalb, weil der Pfeil, im Verhältnis zum Buchstaben, so groß ist, sondern auch, weil der Pfeil mit den Strichrichtungen, also der grafischen Dynamik, des Buchstabens gar nichts zu tun hat.



Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 01.11.2016
01.11.2016
Nach Griechenland

Bilder in Griechenland
Bilder in einer einsamen kleinen Kapelle am Wegesrand, irgendwo in Marni...
Mich bezirzender pragmatischer Umgang mit Bildern...


LP 1499 - Lieblingspfeil Nr. 1499 von Hannes Kater
LP 1484
Pfeil und Firmenname "Arrow" auf der Autobaterie eines Opels, mit dem wir in Griechenland unterwegs waren...
Lieblingspfeil Nr. 1499
Asymmetrische Pfeilspitze

Pfeil und das Wort "Arrow" und beide auch noch größtenteils (ungenau) gespiegelt, auf einer Autobatterie – interessanter Weise findet sich später unter den Stichworten "Autobatterie" (bzw. battery) und "Arrow" nichts im Netz: verblüffend.



LP 1498
LKW vor Palme mit verpfeiltem Logo
LP 1498 - Lieblingspfeil Nr. 1498 von Hannes Kater
Lieblingspfeil Nr. 1498
Verpfeilter und straßenförmiger Buchstabe

Eine "S"-förmige Straße als Logo für eine Transportfirma, deren Name mit einem "S" anfängt... fotografiert habe ich das aus einem Bus, der uns von Kalamata nach Kardamili brachte...


LP 1497 - Lieblingspfeil Nr. 1497 von Hannes Kater
Hinweis auf eine Rolltreppe in einer U-Bahnstation in Athen
Lieblingspfeil Nr. 1497
Animierte reduzierte Dreiecksspitzenpfeile

Je nach Bedarf, können die Rolltreppen in den U-Bahnhöfen in Athen umgestellt werden – und deshalb gibt es auch Hinweisschilder, die die jeweilige Laufrichtung der Rolltreppen anzeigen.


Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 12.10.2016
*   Schließlich zeigt der Pfeil nicht auf oder in das Objekt, sondern aus ihm heraus.
Es könnte sich aber auch um eine Baufirma handeln, die sich auf Aufstockungen spezializiert hat…
12.10.2016
Lieblingspfeile

LP 1496 – Gastbetrag von Bettina Brach
Ladenschild in der Rickmersstraße, Bremerhaven. Foto: Bettina Brach
Lieblingspfeil Nr. 1496
Deckelnder Pfeil

Lieber Hannes,
als ich gestern in Bremerhaven zum Bäcker ging, sah ich dieses pfeilartige Gebilde… hab' zuerst nicht kapiert, in welches Konstrukt es eingebettet ist… dann klickte es:
soll 3D sein – Klotz, Haus, Gebäude.

Eingereicht von Bettina Brach


Ich weiß ansonsten nur, dass es sich um das Logo einer Firma für Immobilienservice handelt... allerdings kaum vorstellbar, dass sie sich, wie es das Logo nahe zu legen scheint, auf Entmietungen
* von Objekten spezialisiert hat, etwa nach dem Motto: Wenn die Gentrifizierung stockt, weil der Altmieter bockt, dann…


Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 08.10.2016
Ältere Einträge ExZen:
Experimentelles Zeichnen_04
Experimentelles Zeichnen_03
Experimentelles Zeichnen_02
Experimentelles Zeichnen_01
*   Schon im 15. Jahrhundert gab es aus Bildern und Zeichen bestehende Rebusfolgen, die auch gerne von den gebildeten Schichten rezipiert wurden. Im 20. Jahrhundert erschienen Bilderrätsel in illustrierten Zeitungen und Zeitschriften, oft verbunden mit der Auslobung eines kleinen Preises für die Einsendung der richtigen Lösung.
08.10.2016
Experimentelles Zeichnen_05

Experimentelles Zeichnen_05: Rebus
Das (oder der) Rebus* ist ein Bilderrätsel aus Bildchen in eindeutiger Reihung, aus deren jeweiligen Wortlauten durch Aneinanderfügung und Abstraktion die Lösung erraten werden soll, die mit den dargestellten Dingen inhaltlich nichts zu tun haben muss. Dabei kann der Wegfall, der Austausch oder auch die Hinzufügung einzelner Buchstaben verfügt werden.
Allerdings: wenn, wie in einem Rebus, alle grafischen Elemente wie diskrete
Zeichen in eindeutiger Reihung abgebildet werden (müssen), spricht man in der Regel nicht mehr von einem Bild.
"Eine Reaktion auf ein verändertes kulturelles Bewusstsein" wurde ihm bescheinigt und Dennis Scheck hat vor nun auch schon 15 Jahren folgendes über ihn geschrieben:

"Hier meldet sich ein Schriftsteller zu Wort, der Ernst macht. Der ins Risiko und aufs Ganze geht. […] Der den unendlichen John-Updike-Imitatoren und ihren Geschichten von Unglück und Herzeleid am Swimmingpool, von funktionsgestörten Familien und dem Vati-Mutti-Kasperltheater in Neuengland […] eine Abfuhr erteilt. Der begriffen hat, dass diese Geschichten auf perfide Weise unwahr und verlogen sind, weil sie etwas verschweigen, dass der durchschnittliche Amerikaner am Ende des 20. Jahrhunderts sechs
Stunden täglich vor dem Fernsehr verbringt und diese Medienpräsenz im Alltagsleben andere Konsequenzen für die Literatur haben muss als ein gelegentlicher Hinweis auf "das geistlose Blabla im TV".

Bloß welche? "Postmoderne Literatur erkennt man zunächst einmal an dem bewussten Einsatz popkultureller Realien", schreibt unser Autor in seinem Essay E Unibus Pluram über das Fernsehen und den amerikanischen Roman. Was er im Folgenden über seinen
Realismus-Begriff ausführt, lässt sich als Poetik seiner Kurzgeschichten lesen. "Heute, wo wir selbst beim Chinesen mexikanisch essen können, während im Hintergrund Reggae läuft und im Fernsehen gleichzeitig eine sowjetische Sendung über den Fall der Berliner Mauer, heute, wo uns alles so verdammt bekannt vorkommt, hat sich die Aufgabe des Realismus ebenfalls gewandelt. Um einen ähnlichen Erkenntnisschub zu erzielen wie vor hundert Jahren, müsste realistische Literatur eigentlich in Bekannten das Fremde aufdecken, müsste paradoxerweise das, was wir für real halten, das heißt die zweidimensionalen Medienbilder, in die dreidimensionale Welt zurückführen, also aus den flachen Images des Fernsehens die verloren gegangene Wirklichkeit rekonstruieren."

Ist dieses 25 Jahre alte Statement des im Rebus links transkribierten Schriftstellers ("Ich war nie im Internet") vom Schreiben
auf das heutige Zeichnen, das Machen von Bildern, übertragbar – und wenn ja, wie?




Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 03.10.2016
*   Man beachte die (angeschnittene) schöne runde blaue Tischplatte, die das beim Foto zum Einsatz gebrachte etwas neckische Froschaugenobjektiv auszuhalten hilft…
02.10.2016
Lieblingspfeile

Nachtrag zu LP 1491
Ausriss aus dem Tagesspiegel vom 19. September, dem Tag nach der Wahl in Berlin
Nachtrag zu LP Nr. 1491
Altes Hinweisschild mit Pfeilspitze

Per Post kam jetzt dieser Zeitungsausschnitt: anscheinend gab es nicht nur vor unserem Wahllokal so ein altes handgeschriebenes Schild mit einem Band zum Aufhängen (auf dem Foto* durchaus erkennbar) – und es fiel nicht nur mir auf…

Bei all den Wahlen in den letzten Jahren hier in der Gegend kamen solche Schilder nicht zum Einsatz, das
wäre mir aufgefallen. Wo sie die wohl ausgegraben haben?


Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 02.10.2016
 
01.10.2016
Lieblingspfeile

LP 1495 – eingereicht von Bernd Stegmann
Wegmarken von Potami (Italien) zu den Seitani-Buchten. Fotos: Bernd Stegmann
Lieblingspfeil Nr. 1495
Tintenfischiger Pfeil

Lieber Hannes,
angeregt von M. hatte ich bei unserer Küstenwanderung ein paar Pfeile für dich fotografiert... Mehr als die Pfeile bieten Hinter- und Untergrund Vielfalt, auch wenn W. in machen sogar
Tintenfische [... ja klar, das geht mir auch so!] und weiteres sah. Auf jeden Fall waren sie uns auf dem zweistündigen Weg zu den beiden nur zu Fuß zugänglichen Buchten Mikro Seitani und Megalo Seitani (kleiner und größer Teufel) im Westen der kleinen Insel  Orientierung und Strukturierung.


Eingereicht von Bernd Stegmann


Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 30.09.2016
Ältere Einträge ExZen:
Experimentelles Zeichnen_03
Experimentelles Zeichnen_02
Experimentelles Zeichnen_01
*   Metalog: Warum haben Dinge Konturen?, aus: Gregory Bateson Ökologie des Geistes. Suhrkamp 1985. Der Text ist aus dem Jahr 1953
30.09.2016
Experimentelles Zeichnen_04

Tochter: Pappi, warum haben Dinge Konturen?*
Vater: Haben sie? Ich weiß nicht. An was für Dinge denkst du?
T: Ich meine, wenn ich Dinge zeichne, warum haben sie Konturen?
V: Gut, was ist mit anderen Dingen – etwa mit einer Schafherde? Oder einem Gespräch? Haben die Konturen?
T: Sei nicht albern. Ich kann doch kein Gespräch zeichnen. Ich meine Dinge?
V: Ja – ich wollte nur genau wissen, was du meinst. Meinst du, "Warum geben wir Dingen Konturen, wenn wir sie zeichnen?", oder meinst du, dass die Dinge Konturen haben, ob man sie nun zeichnet oder nicht?
T: Ich weiß nicht, Pappi. Sag' du es mir. Was meine ich?
V: Ich weiß auch nicht, mein Schatz. Es gab mal einen sehr wütenden Künstler, der alle möglichen Sachen hinkritzelte, und nachdem er tot war, sahen sie seine Aufzeichnungen durch, und an einer Stelle fanden sie den Satz, "Weise Menschen sehen Konturen und zeichnen sie deshalb", aber an einer anderen Stelle hatte er geschrieben: "Verrückte Menschen sehen Konturen und zeichnen sie deshalb".
T: Aber was meint er denn nun? Ich verstehe das nicht.
V: Na ja – William Blake – so hieß er – war ein großer Künstler und ein sehr wütender Mann. Und manchmal rollte er seine Ideen zu kleinen Papierkügelchen, so dass er damit auf Leute werfen konnte.
T: Aber weswegen war er so verrückt, Pappi?
V: Weswegen war er so verrückt? Oh, ich verstehe – du meinst "wütend". Wir müssen diese beiden Bedeutungen von "verrückt" klar auseinanderhalten, wenn wir über Blake sprechen wollen. Denn viele Leute glaubten, dass er verrückt war – wirklich verrückt – irre. Und das war eine Sache, die ihn so wütend-verrückt machte. Und dann war er wütend-verrückt wegen einiger Künstler, die Bilder malten, als hätten die Dinge keine Konturen. Er nannte sie "die Schule der Schmierfinken".
T: Er war nicht gerade tolerant, oder Papi?
V: Tolerant? Oh Gott. Ja, ich weiß, das hämmern sie euch in der Schule ein. Nein, Blake war nicht sehr tolerant. Er hielt Toleranz noch nicht mal für etwas Gutes. Für ihn war das nur Augenwischerei. Er meinte, sie verwische alle Konturen und verwässere alles – dass sie alle Katzen grau werden lasse, so dass niemand mehr irgendwas klar und scharf sehen kann.
T: Ja, Pappi.
V: Nein, das ist nicht die Antwort. Ich meine, "Ja, Pappi" ist nicht die richtige Antwort. Das zeigt nur, dass du dir über deine Meinung nicht im klaren bist – und dir ist es piepegal, was ich sage oder was Blake sagt; die Schule hat dich so mit dem Gerede über Toleranz vernebelt, dass du nicht mehr den Unterschied zwischen irgendwas und irgendwas anderem erklären kannst.
T: (Weint).
V: Oh Gott, das tut mir leid, aber ich war wütend. Nicht wirklich wütend auf dich. Nur über die allgemeine Rührseligkeit, mit der die Leute denken und handeln – und wie sie irgendeinen Wirrwarr predigen und dann das Ganze Toleranz nennen.
T: Aber, Pappi –
V: Ja?
T: Ich weiß nicht. Ich glaube, ich kann nicht richtig denken. Es ist alles so ein Durcheinander.
V: Tut mir leid. Ich glaube, ich habe dich verwirrt, weil ich angefangen habe, Dampf abzulassen.

T: Pappi?
V: Ja?
T: Warum kann man über so was wütend werden?
V: Über was wütend werden?
T: Ich meine – ob Dinge Konturen haben. Du hast doch gesagt, William Blake ist deshalb wütend geworden. Und du dann auch. Warum denn, Pappi?
V: Ja, in gewisser Weise ist das schon ein Grund. Ich glaube, es ist wichtig. Vielleicht ist es sogar die entscheidende Frage. Und andere Sachen sind nur deshalb wichtig, weil sie daran teilhaben.
T: Was meinst du, Pappi?
[…]


Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 29.09.2016
Weitere Realerere Fälle:
Realerer Fall_07
Realerer Fall_06
Realerer Fall_05
Realerer Fall_04
Realerer Fall_03
Realerer Fall_02
Realerer Fall_01
29.09.2016
Realerer Fall_08

Realerer Fall_08
Gustav Adolf Straße, Berlin Weißensee
Sehr früh am Morgen mit blauen Schatten lag dieses rechteckige Rost stabil, aber nicht mittig gesockelt, auf einer nicht mehr scharf konturierten niedrigen Baumscheibe, die, bedingt durch Licht und kleine Grünpflanzen, etwas diffus dynamisches, kreisig spiraliges, hatte.

Kurz: ein Realerer Fall muss nicht immer aufgeräumt und an geordnete klassische Ausstellungspräsentationen gemahnend daherkommen.



Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 28.09.2016
 
28.09.2016
Lieblingspfeile

LP 1494 - Lieblingspfeil Nr. 1494 von Hannes Kater
Berlin Weißensee
LP 1494 - Lieblingspfeil Nr. 1494 von Hannes Kater
Morgenritual zur Ladenöffnung...
Lieblingspfeil Nr. 1494
Temporärer Hinweispfeil

Wenn das Fahrradgeschäft neben der Hofeinfahrt zu meinem Atelier öffnet, wird der Hinweispfeil mit einem Spanngurt an einem Mast vor dem Laden befestigt – und nach Ladenschluss dann wieder abgenommen... eine temporäre Lösung, um rechtliche Probleme zu vermeiden, die sich bei einem dauerhaft installierten Schild ergeben könnten.






Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 26.09.2016
 
27.09.2016
Lieblingspfeile

LP 1493 - Lieblingspfeil Nr. 1493 von Hannes Kater
Hinweis auf die Manifesta 11 in Zürich
Animierter LP 1493 - Lieblingspfeil Nr. 1493 von Hannes Kater
Lieblingspfeil Nr. 1493
Pfeil mit betonter Verwandschaft zur "1"

Trotz der eigentlich deutlichen Unterschiede zwischen den zwei Versionen der "1" und dem darüber platzierten Pfeil, wird doch die Familienähnlichkeit bestimmend für die Wahrnehmung...

Natürlich bezieht sich Design immer auf etwas – und verweist auf ein Referenz- und Wertesystem. Und anders als bei der letzten Berlin Biennale wird hier nicht ästhetisch versucht, auf den globalen Wellenausschlägen des Bilderdatenbankenwerbezynismus zu surfen. Stattdessen will man mit der Gestaltung des aktuellen Manifesta-Logos an gehaltvolles Design mit einer gewissen sperrigen Note andocken, um so tradierten Kunstbetriebserwartungen gerecht zu werden.

So guckte sich diese Manifesta in Zürich auch – für einen alten Herrn wie mich – deutlich besser weg als die Berlin Biennale, aber das Konzept von Kurator Christian Jankowski, die eingeladenen Künstler zum Thema "What People Do For Money" so arbeiten zu lassen, dass sie sich mit Menschen und ihrer Lebenssituation vor Ort (Zürich / Schweiz) auseinandersetzen, ging nicht auf: es entstanden größtenteils harmlose und bemühte Beiträge.

Zu seiner Verteidigung verwies Jankowski zu recht auf die Ohnmacht der Kuratoren, die nicht (nur) fertige Arbeiten von Künstlern auswählen, sondern ausgesuchte Künstler bitten, zu einer Fragestellung etwas zu erarbeiten: schließlich kann so Thema dann keine Hausaufgabe sein, die es nach festen Vorgaben und Ergebniserwartungen zu erfüllen gilt. Er habe versucht, die Künstler "mit der Themenvorgabe aus der Reserve zu locken".
Was da unausgesprochen mitschwingt: wenn dies nur bedingt gelungen sei, dann müsse er das akzeptieren, er hatte keine Druckmittel gegen die Künstler...


Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 24.09.2016
 
24.09.2016
Lieblingspfeile

LP 1492 - Lieblingspfeil Nr. 1492 von Hannes Kater
Verkehrsschild in Berlin Mitte
Lieblingspfeil Nr. 1492
Pfeil mit beschädigtem Umfeld

Kein Rest eines Stickers, sondern eine Beschädigung der blauen Farbfläche des Verkehrsschildes, die, weil in Größe und Winkel fast der linken Hälfte der Pfeilspitze entsprechend, das Lesen des Pfeils so weit erschwert, dass die Zeigewirkung deutlich verringert wird.




Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 21.09.2016
Ältere Einträge ExZen:
Experimentelles Zeichnen_02
Experimentelles Zeichnen_01
*   "Den ich mache nichts, was ich nicht sehe."
Karl Ernst Osthaus, Cézanne, in: Das Feuer, Monatsschrift für Kunst und Künstlerische Kultur, II, 1920/21
21.09.2016
Experimentelles Zeichnen_03

Nach einem Cézanne (Château de Fontainebleau, Ausschnitt) von 1905
Experimentelles Zeichnen_03
3 x der gleiche Baum
Anders als bei ExZen_02, wo Hockney sozusagen um einen Laternenmast drum rum geguckt und ihn so gleichsam hat verschwinden lassen, setzt Paul Cézanne hier den selben Baum gleich 3 mal ins Bild.

Cézanne trieb bei seinem
allein der Anschauung verpflichteten Werk die Sorge um, von ihm Wahrgenommenes könne in der Arbeit nicht realisiert werden.*

Dabei scheint er zunehmend zu der Überzeugung gekommen zu sein, dass ein zentralperspektivisches einansichtiges Sehen dies nicht leisten kann. In einem Brief an seinen Sohn schrieb Cézanne: "Ich kann die Intensität, die sich vor meinen Sinnen entfaltet, nicht erreichen […]. Hier, am Ufer des Baches, vervielfachen sich die Motive, das gleiche Sujet, unter einem anderen Blickwinkel gesehen, bietet ein Studienobjekt von stärkstem Reiz und von solcher Mannigfaltigkeit, dass ich glaube, mich über Monate beschäftigen zu können, ohne den Platz zu wechseln, indem ich mich bald mehr nach rechts, bald mehr nach links beuge."


Cézanne wandte seine Aufmerksamkeit von der Registrierung visueller Sensationen und den Phänomenen des Lichts auf den eigenen Körper zurück: auf dessen rhythmische Bewegung und Zeitlichkeit. Unter diesen Voraussetzungen eines dynamisierten Sehens zu malen hieß, dem Bild nicht nur die gegenläufige Verschiebung von Augpunkt und Sehfeld einzutragen, die das Wiegen des Körpers [und das abwechselnde schließen eines Auges] provozierte, sondern zugleich die Empfindung der eigenen Körperbewegung mit derjenigen der beseelten Natur zu verschmelzen – ein bildplastisches Problem, das man sich nicht schwierig genug vorstellen kann.*
Es geht dabei um sehphysiologische Aspekte, besser gesagt, um den physiologisch-virtuellen Informationsgewinn des sehenden Menschen. Der erfasst zuerst nach den Regeln der Bewegung und der Parallaxe – Grundlage des räumlichen Sehens – die Körper im Raum. Daraufhin setzt ein stereoskopisch-psychischer Prozess ein, der die Verknüpfungen und Erinnerungen einzelner Bilder mit ständig veränderlichen Daten aktueller Erlebnisse verarbeitet und verbindet. Diese Bilder werden – obwohl sie indifferent sind – dann verbunden und lassen so im Bewusstsein des Protagonisten einen physiologisch-virtuellen Raum entstehen,
mit "datenbesetzten und gekrümmten Farbflächen nach Regeln einer lebendigen Physiologie."*

Cézanne suchte nach überindividuellen künstlerisch-grammatikalischen Regeln, wie sich in mehreren Stufen einer durch die Stereoskopie vorgegebenen Verknüpfungstechnik – über das Sehen von Abstandsfiguren – Flächen zu Raum im Kopf des Betrachters zusammen setzen.


*   Wörtlich oder sinngemäß zitiert nach:
•  Angela Breidbach: Anschauungsraum bei Cézanne
•  Michael Lüthy: Subjektivität und Medialität bei Cézanne
•  Götz Adriani:
Cézanne – Aquarelle
Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 19.09.2016
Mehr FDP:
•  Wahl läuft, 28.03.2011
•  Vorschlag zur Reformation des Wahlrechts, 21.09.2009
•  Wahlergebnisse, 19.09.2005
19.09.2016
Lieblingspfeile

LP 1491 - Lieblingspfeil Nr. 1491 von Hannes Kater
Hinweis auf das Wahllokal 720 in der Dunckerstr. 64 in Berlin
Lieblingspfeil Nr. 1491
Altes Hinweisschild mit Pfeilspitze

Ein altes handgeschriebenes Schild mit einem Band zum Aufhängen (auf dem Foto nicht erkennbar) – einfach Mal auf einen Stuhl platziert: besonders modern und avanciert sah dieser Hinweis auf unser Wahllokal nicht aus.

Niemand hier hat Lust auf einen weiteren Rant zur Infrastrukturkatastrophe – und auch nicht zum Wahlergebnis... aber das die FDP wieder über die 5% Hürde gekommen ist, und dass das schon selten blöd ist, das wurde mir noch nicht genug gewürdigt.
*


Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 14.09.2016
 
14.09.2016
Lieblingspfeile

LP 1490 - Lieblingspfeil Nr. 1490 von Hannes Kater
LP 1490
Werbung im U-Bahnfernsehen in Berlin
Lieblingspfeile Nr. 1490
Geknickte Pfeilbahnen

Stehen die geknickten Pfeilbahnen metaphorisch für biografische Knicke und Umbrüche? Auf jeden Fall nehmen Knicke in der Pfeilbahn viel Tempo raus, die Zeigedynamik der Pfeile verringert sich deutlich.

Und eine Pfeilbahn ist doppelt besetzt: die, die nach vorne links unten zeigt und am meisten Richtungswechsel vorzuweisen hat. Dafür ist aber ausgerechnet die einzige Pfeilbahn mit nur einem Richtungswechsel gar nicht besetzt...


Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 12.09.2016
 
12.09.2016
Lieblingspfeile

LP 1489 - Lieblingspfeil Nr. 1489 von Hannes Kater
Wahlwerbung im Prenzlauer Berg, Berlin
Lieblingspfeil Nr. 1489
Kontextualisierender Pfeil

Dieses Plakat sollte immer ganz oben hängen und kommentiert dann jede Wahlwerbung – und verdeutlicht durch die pauschale Herabwürdigung aller Kandidaten der anderen Parteien werbend die Position von Die Partei...

Die Pfeilspitze des nach unten weisenden Pfeils ragt aus der roten Farbfläche des Plakats hinaus: so wird die Zeigewirkung des Pfeils verstärkt und deutlicher gemacht, dass der Pfeil auf etwas außerhalb des Plakats zu beziehen ist.


Zum Thema kontextualisierende Pfeile vergleiche auch Lieblingspfeil LP's 309 und dem Nachtrag dazu vom 26.04.2005.

Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 11.09.2016
*   Durch die ständig in Bewegung befindlichen Augen und den sich ab und an bewegenden Kopf – und das Interpretieren der Sehinformationen im Gehirn, können störende Elemente sozusagen rausgerechnet werden...
Mehr Einträge zum Thema:
ExZen_01
11.09.2016
Experimentelles Zeichnen_02

Experimentelles Zeichnen_02
Zeichnung nach einer Zeichnung von David Hokney
Wie kann man der subjektiven Wahrnehmung, dass ein schlanker Laternenmast, der im Vordergrund eines Motivs steht, dieses scheinbar kaum verstellt und verdeckt, weil man um ihn drum rum guckt*, bildnerisch gerecht werden?

So, wie David Hockney das in seiner Zeichnung Bridge Street, Bradford aus dem 1956 gemacht hat.




Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 09.09.2016
 
09.09.2016
Lieblingspfeile

LP 1488 - Lieblingspfeil Nr. 1488 von Hannes Kater
LP 1488
Schild in der Wessenbergstraße in Konstanz
Lieblingspfeil Nr. 1488
Pfeil aus Pfeilspitze

Toll.

Und dass die Pfeilbahn des kleinen Pfeils dicker ist, als die des großen, dass das Rot des kleinen etwas heller ist, dass die Pfeile in einem Stück ausgeschnitten wurden, dass die Pfeilbahn des großen Pfeils die des kleinen etwas überlappt, dass der Abbiegeknick des kleinen genau an der Pfeilspitzenkante des großen Pfeils liegt, dass die Pfeilbahn des kleinen Pfeils in der Spitze des großen plastisch sichtbar ist und einen Schatten wirft, dass die Pfeilbahn des großen Pfeils nicht bis ans Ende des Wortes "Etage" reicht, dass...





Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 08.09.2016
*   Durch die gekrümmte Pfeilbahn entsteht zwar keine waffenpfeilige Bedrohung, aber die im Verhältnis zum Protagonisten riesige Pfeilspitze macht das wieder wett...
08.09.2016
Lieblingspfeile

LP 1487
Plakat, fotografiert in Freiburg
LP 1487 - Lieblingspfeil Nr. 1487 von Hannes Kater
Figürchen unter Pfeilspitze
Lieblingspfeil Nr. 1487
Gefährlicher Pfeil?

Nicht von einem Blitz, sondern
von einem Pfeil bedroht* – oder gar getroffen? – wird hier ein Figürchen auf einem Werbeplakat zu einer immer noch laufenden Ausstellung Out of Order von Michael Landy im Museum Tinguely in Basel.




Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 07.09.2016
... da gibt es dann schon Mal Ausstellungsplakate, auf denen der Kurator deutlich größer steht als die ausgestellten Künstler.
07.09.2016
Kontextkontrollverlust

Kontextkontrollverlust in Konstanz
Gedenkstein für 108 jüdische Konstanzer, die in Ausschwitz und Sobibor ermordet worden sind
Kontextkontrollverlust Kontextkontrollverlust
Halterung an Verkehrszeichenständer Beschrifteter Stein auf Gedenkstehle
Kontextkontrollverlust Kontextkontrollverlust
Be- und Entladen [...] erlaubt... Klingel an Eingangstür hinter dem Denkmal
Kontextkontrollverlust Kontextkontrollverlust
Kirche hinter dem Gedenkstein Eine Eingangstür zu Räumen in der Kirche...
Eines meiner Lieblingsthemen:
wie kann man verhindern, dass man durch Nachbarschaften anders wahrgenommen wird, als geplant? Ob aus Versehen (Kontrollverlust) oder gar von jemandem kuratiert
(der eigene Beitrag wird Material für etwas anderes*).


Das Beispiel links zeigt eine Situation in Konstanz um ein
Denkmal, bzw. einen Gedenkstein, mit folgender Inschrift:
"Am 22. Oktober 1940 wurden 108 jüdische Einwohner von Konstanz nach Frankreich in das Internierungslager Gurs deportiert. Von dort wurden diejenigen, die noch am Leben waren, ab August 1942 in die Konzentrationslager Auschwitz und Sobibor abtransportiert und ermordet."

Und
der transportable Verkehrsschild-Ständer stand dort mindestens 2 Tage lang (am 28. und 29. August) so neben dem Denkmal... dann sind wir weiter gereist.


Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 06.09.2016
 
06.09.2016
Lieblingspfeile

LP 1486 - Lieblingspfeil Nr. 1486 von Hannes Kater
So sah die einzige große Abbildung über dem Bruch gestern beim Tagesspiegel am Kiosk aus
Lieblingspfeil Nr. 1486
Pfeil als Bild in Tageszeitung

Großer Pfeil in einem wunderbarem Blau, der dem berliner Tagesspiegel helfen soll, das
Wahlergebnis zu illustrieren


Wer wählt eigentlich aus welchen Gründen die AFD?
Dazu ein Betrag auf dem Blog von Fefe, der einen Leserbrief an ihn zitiert, indem es zwar in erster Linie um die Wähler geht, die für den Brexit gestimmt haben, der sich aber auch – zumindest versuchsweise – auf die Wähler der AFD übertragen lässt, bei denen es sich nämlich nicht um Abgehängte und sozial Deklassierte handelt:

Zitat: "Britain’s choice to vote Leave, we are told, is a protest by those left behind by modernisation and globalisation. London versus the regions, poor versus rich. Nothing could be further from the truth. Brexit voters, like Trump supporters, are
motivated by identity, not economics. Age, education, national identity and ethnicity are more important than income or occupation. But to get to the nub of the Leave-Remain divide, we need to go even deeper, to the level of attitudes and personality."

Die verschiedenen Daten im Blogpost des Forschers sind relativ detailliert aufgeschlüsselt. Der persönliche
Standpunkt zur Todesstrafe war der beste predictor für den Brexit vote. Wenn man was über Einkommen und sozialen Status des Wählers wusste, lag man nur 54% der Zeit richtig: also nur marginal besser als raten! Selbst wenn man dazu noch Alter und Bildungsniveau kannte, lag man nur 60% der Zeit richtig!

Die SZ formuliert das knapp so: "
Die AfD führt einen Kulturkampf – keinen Klassenkampf".



Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 05.09.2016
... wegen meines Darstellers *01 Gehirn
Weitere Realerere Fälle:
Realerer Fall_06
Realerer Fall_05
Realerer Fall_04
Realerer Fall_03
Realerer Fall_02
Realerer Fall_01
05.09.2016
Realerer Fall_07

Realerer Fall_07
Auf dem S-Bahnhof Berlin Schönefeld...
Ein ausnahmsweise nicht skulpturaler Realerer Fall:
Als jemand, der sich immer für Abbildungen von Croissants
* im öffentlichen Raum interessiert, fiel mir, frisch zurück in Berlin, natürlich diese Zusammenstellung eines Getränkebechers mit einem Croissant in einer Werbung ins Auge, die für mich doch sehr wie ein Frauenschuh aussieht, der, entgegen der Behauptung auf dem Schuh "Einfach frisch & lecker" doch etwas zu müffeln scheint. Zumindest legen das die 3 kurzen Wellenlinien über dem Schuh nahe...


Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 10.08.2016
 
10.08.2016
Experimentelles Zeichnen_01

Detail einer Kinderzeichnung - Experimentelles Zeichnen_01
Ausschnitt aus einer Zeichnung eines 8 Jahre alten Buben
Einen Moment brauchte ich schon, um drauf zu kommen, was das rote Ding darstellen soll: kein Knüppel oder eine exotische Waffe, sondern die Anzeige der verbleibenden Lebensenergie.

Toll.




Hannes Kater – Detail Tageszeichnung vom 08.08.2016
WeitereKunstpfeile:
18.08.2016 – Kunstpfeil_44
04.07.2016 – Kunstpfeil_43
24.06.2016 – Kunstpfeil_42
16.03.2016 – Kunstpfeil_41
24.02.2016 – Kunstpfeil_40
05.01.2016 – Kunstpfeil_39
24.09.2015 – Kunstpfeil_38
20.09.2015 – Kunstpfeil_37
04.09.2014 – Kunstpfeil_36
29.06.2014 – Kunstpfeil_35
[...]
08.08.2016
Kunstpfeil_45

Kunstpfeil_45
Abbildung einer Postkarte von Bjørn Melhus für das Projekt Jokes & Postcards
Schön kunstloser Pfeil von Bjørn Melhus für ein Projekt im Kunstkontext: das wirkt angenehm unangestrengt.


In dem Buch "A Man Walks Into a Bar" aus dem Jahr 2014 finden sich über 100 von Künstlern gestaltete und betextete Postkarten mit ihren (angeblichen) Lieblingswitz.

Über 4 Jahre sammelten Franziska und Johannes Sperling die Künstlerpost, die an die fiktive Figur Pepe Nietnagel geschickt werden musste – dies wirklich unlustige Pseudonym ist der einzige Schwachpunkt des netten Buches.


Fotografiert habe ich die Buchseite im:
Shop im me Collectors Room [!],
wohin ich mich für eine Pause von der Berlin Biennale nebenan in den Kunstwerken zurück gezogen hatte...



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